Drucktemperatur richtig einstellen: mit dem Temperaturturm zum besten Wert

Einstellungen6 Min. LesezeitStand: 10/2026

erklären wir kurz, wenn du darauf zeigst oder tippst.

Die Düsentemperatur ist eine der wichtigsten Einstellungen beim 3D-Druck. Sie entscheidet darüber, wie gut die Schichten aneinander haften, wie die Oberfläche aussieht und wie viele Fäden entstehen. Die Spannbreite auf der Spule ist oft groß, zum Beispiel “190 bis 230 °C”. Wo genau der beste Wert liegt, hängt von Filament, Drucker und Geschwindigkeit ab.

Zu heiß oder zu kalt?

ZeichenZu heißZu kalt
Fäden zwischen Teilenvielewenige
Oberflächeglänzend, teils verlaufenmatt, rau, Lücken
Überhänge und Brückenhängen durch, kringeln sichmeist sauber
Schichthaftungsehr gutschlecht, Teile brechen leicht
Kleine Detailsverschwimmenscharf, aber teils lückenhaft
Geräusch am ExtrudernormalKlicken, weil das Material nicht schnell genug schmilzt

Kurz gesagt: Zu heiß sieht unsauber aus, zu kalt ist instabil. Gesucht ist der niedrigste Wert, bei dem die Schichten noch gut zusammenhalten.

Startwerte nach Material

MaterialDüse (Richtwert)Bett (Richtwert)
PLA190 bis 220 °C50 bis 60 °C
PETG230 bis 250 °C70 bis 85 °C
ABS, ASA240 bis 260 °C90 bis 110 °C
TPU210 bis 230 °C40 bis 60 °C

Starte mit der Mitte der Herstellerangabe auf der Spule. Die Werte oben sind nur Orientierung.

Geschwindigkeit braucht Hitze

Bei schnellen Druckern spielt ein Punkt eine große Rolle: Je schneller gedruckt wird, desto mehr Material muss pro Sekunde geschmolzen werden. Damit das klappt, braucht es eine höhere Temperatur. Deshalb liegen die Profile für schnelle Drucker oft 10 bis 20 °C über älteren Empfehlungen. Druckst du bewusst langsamer, zum Beispiel für feine Details, kannst du die Temperatur entsprechend senken.

Den besten Wert finden: der Temperaturturm

Ein Temperaturturm ist ein kleines Testmodell aus mehreren gleichen Stockwerken. Jedes Stockwerk wird mit einer anderen Temperatur gedruckt, zum Beispiel von 230 °C unten bis 190 °C oben in 5-Grad-Schritten.

So gehst du vor:

  1. Modell besorgen: Viele Slicer haben einen Temperaturturm in der Kalibrierung eingebaut, zum Beispiel OrcaSlicer. Alternativ gibt es fertige Modelle auf Plattformen wie Printables.
  2. Temperaturbereich festlegen: etwas über und unter der Herstellerangabe.
  3. Drucken und vergleichen: Achte auf Fäden, Überhänge, Brücken und Oberfläche.
  4. Bruchtest: Versuche, die Stockwerke abzubrechen. Bricht ein Stockwerk sehr leicht zwischen den Schichten, war es zu kalt.
  5. Wert wählen: den niedrigsten Wert, der optisch gut aussieht und beim Bruchtest stabil ist.

Den Turm solltest du für jede neue Filamentmarke einmal drucken. Selbst gleiche Materialien verschiedener Hersteller können sich um 10 bis 20 °C unterscheiden.

Und die Betttemperatur?

Die Betttemperatur beeinflusst vor allem die Haftung der ersten Schicht. Ist sie zu niedrig, löst sich der Druck. Ist sie zu hoch, kann sich bei PLA die unterste Schicht nach außen wölben, der sogenannte Elefantenfuß. Mehr dazu in Erste Schicht hält nicht.

Bei Problemen mit Fäden hilft auch der Artikel zu Stringing.