Druckgeschwindigkeit: Wie schnell kann ich drucken?
erklären wir kurz, wenn du darauf zeigst oder tippst.
Viele Drucker werben mit 500 mm/s oder mehr. Trotzdem dauert ein Druck oft länger als erwartet, und wer einfach die Geschwindigkeit hochdreht, bekommt Lücken, raue Wände oder eine verstopfte Düse. Der Grund: Die Geschwindigkeit im Slicer ist nur eine von mehreren Grenzen, und meist nicht die entscheidende.
Geschwindigkeit und Beschleunigung
Die Geschwindigkeit in mm/s ist die Höchstgeschwindigkeit, die der Druckkopf auf einer Linie erreichen darf. Die Beschleunigung in mm/s² legt fest, wie schnell er auf diese Geschwindigkeit kommt und wieder abbremst.
Bei kleinen Teilen mit kurzen Linien erreicht der Kopf die eingestellte Geschwindigkeit oft gar nicht. Er beschleunigt, muss aber schon wieder bremsen, bevor die nächste Ecke kommt. Deshalb bringt bei kleinen und detailreichen Teilen eine höhere Beschleunigung mehr als eine höhere Geschwindigkeit.
Zur Einordnung: Die Standardprofile schneller CoreXY-Drucker arbeiten mit Beschleunigungen um 10.000 mm/s², für Außenwände oft mit der Hälfte. Ältere Bettschubser liegen deutlich darunter. Wie stark die Bauart das begrenzt, steht in Bettschubser oder CoreXY.
Hohe Beschleunigungen erzeugen Schwingungen, die als Wellen auf der Oberfläche sichtbar werden. Dagegen hilft Input Shaping, mehr dazu in Ghosting.
Die echte Grenze: Volumenstrom
Das Hotend kann nur eine bestimmte Menge Kunststoff pro Sekunde aufschmelzen. Diese Menge heißt Volumenstrom und wird in mm³/s angegeben. Ist sie erreicht, nützt eine höhere Geschwindigkeit nichts mehr. Das Filament wird nicht mehr vollständig geschmolzen, es fehlt Material, und im schlimmsten Fall rutscht der Extruder durch.
Den Volumenstrom einer Linie rechnest du so aus:
Volumenstrom = Linienbreite × Schichthöhe × Geschwindigkeit
Beispielrechnung
Du druckst mit einer 0,4-mm-Düse, 0,45 mm Linienbreite und 0,2 mm Schichthöhe:
- bei 100 mm/s: 0,45 × 0,2 × 100 = 9 mm³/s
- bei 200 mm/s: 0,45 × 0,2 × 200 = 18 mm³/s
- bei 300 mm/s: 0,45 × 0,2 × 300 = 27 mm³/s
Umgekehrt geht es auch. Schafft dein Hotend 15 mm³/s, ist die Höchstgeschwindigkeit bei diesen Werten 15 ÷ (0,45 × 0,2) ≈ 167 mm/s. Bei 0,28 mm Schichthöhe sind es nur noch etwa 119 mm/s. Dickere Schichten und breitere Linien brauchen also mehr Volumenstrom bei gleicher Geschwindigkeit. Mehr dazu in Layerhöhe richtig wählen.
Typische Grenzen von Hotends
| Hotend-Typ | Volumenstrom (grob) |
|---|---|
| Klassisches Standard-Hotend | etwa 10 bis 15 mm³/s |
| Aktuelle Hotends schneller Drucker | etwa 20 bis 30 mm³/s |
| High-Flow-Hotends und -Düsen | etwa 25 bis 40 mm³/s, einzelne mehr |
Das sind grobe Werte. Der tatsächliche Volumenstrom hängt vom Material, der Temperatur, der Düse und sogar von der Farbe ab. Die Grundprofile in OrcaSlicer setzen für viele Materialien vorsichtig 12 mm³/s an, für TPU nur etwa 3 mm³/s. Herstellerprofile für schnelle Drucker liegen bei PLA oft deutlich höher. Prüf die Werte für dein Gerät in der Herstellerdokumentation oder miss selbst.
Volumenstrom selbst messen
OrcaSlicer hat dafür einen eigenen Test. Er druckt ein Objekt, bei dem der Volumenstrom mit der Höhe steigt. Du schaust, ab welcher Höhe die Oberfläche schlechter wird, zum Beispiel matt statt glänzend oder mit Lücken, und rechnest daraus den Wert aus. Die OrcaSlicer-Dokumentation empfiehlt, vom Ergebnis noch 10 bis 20 % abzuziehen. Wie die Tests ablaufen, steht in 3D-Drucker kalibrieren.
Wenn du den Wert im Filamentprofil einträgst, bremst der Slicer automatisch überall dort ab, wo er überschritten würde. Das ist der sicherste Weg, schnell zu drucken, ohne Unterextrusion zu riskieren.
Nicht alles gleich schnell drucken
Der Slicer nutzt für jede Linienart eine eigene Geschwindigkeit. Das hat gute Gründe:
| Bereich | Geschwindigkeit | Warum |
|---|---|---|
| Erste Schicht | langsam, oft 20 bis 50 mm/s | bessere Haftung |
| Außenwand | langsamer als Innenwände | sichtbare Oberfläche, genaue Maße |
| Innenwände, Infill | schnell | unsichtbar, nur Volumenstrom zählt |
| Überhänge, Brücken | langsam | Material muss Zeit zum Abkühlen haben |
| Obere Deckschicht | mittel | glatte Oberfläche |
Als Beispiel: Ein Standardprofil eines schnellen CoreXY-Druckers nutzt 200 mm/s für Außenwände und 300 mm/s für Innenwände. Wenn dir die Oberfläche wichtiger ist als die Zeit, senk zuerst die Geschwindigkeit der Außenwand. Das kostet wenig Zeit, weil sie nur einen kleinen Teil des Drucks ausmacht.
Herstellerangaben richtig einordnen
Die Angabe “bis 500 mm/s” beschreibt meist die Höchstgeschwindigkeit, die die Mechanik bei Leerfahrten oder langen, geraden Linien schafft. Beim echten Druck begrenzen andere Dinge:
- Volumenstrom: Bei 0,2 mm Schichthöhe und 0,45 mm Linienbreite bräuchtest du für 500 mm/s 45 mm³/s. Das schaffen nur wenige Hotends.
- Beschleunigung: Bei kleinen Teilen wird die Höchstgeschwindigkeit nie erreicht.
- Kühlung: Schneller gedrucktes Material braucht mehr Kühlung, damit es rechtzeitig fest wird. Siehe Bauteilkühlung.
- Material: TPU, Nylon oder faserverstärkte Filamente vertragen oft nur einen Bruchteil davon.
Ein sinnvollerer Vergleichswert zwischen Druckern ist der maximale Volumenstrom des Hotends und die Beschleunigung. Am Ende zählt die Druckzeit für ein typisches Teil.
So gehst du vor
- Mit dem Standardprofil des Herstellers starten.
- Den maximalen Volumenstrom für dein Filament messen und im Profil eintragen.
- Bei Bedarf Geschwindigkeit für Infill und Innenwände erhöhen, der Slicer begrenzt automatisch.
- Außenwände und Überhänge langsam lassen, wenn die Oberfläche wichtig ist.
- Bei Wellen auf der Oberfläche Beschleunigung senken oder Input Shaping kalibrieren.
Weiter mit: 3D-Drucker kalibrieren.