Bauteilkühlung richtig einstellen: Lüfter je Material

Einstellungen5 Min. LesezeitStand: 10/2026

erklären wir kurz, wenn du darauf zeigst oder tippst.

Der Bauteillüfter bläst direkt auf das frisch gedruckte Material. Er sorgt dafür, dass es schnell fest wird, damit Überhänge, Brücken und feine Details halten. Zu viel Kühlung schwächt aber die Haftung zwischen den Schichten und fördert Warping. Die richtige Einstellung hängt deshalb stark vom Material ab.

Was die Kühlung bewirkt

  • Mehr Kühlung: schärfere Details, bessere Überhänge und Brücken, weniger Verformung bei kleinen Teilen.
  • Weniger Kühlung: bessere Schichthaftung, festere Teile, weniger Spannung und Warping.

Bei PLA überwiegen die Vorteile der Kühlung fast immer. Bei ABS, ASA, Nylon und PC ist es umgekehrt. PETG liegt dazwischen.

Lüfter-Werte je Material

Die Werte unten stammen aus den Materialangaben von Bambu Lab, den Grundprofilen von OrcaSlicer und der Prusa Knowledge Base. Sie sind Startwerte. Schau immer auch auf die Angaben deines Filamentherstellers.

MaterialLüfter (Normalbetrieb)Erste SchichtenHinweis
PLA100 %ausfast immer volle Kühlung
PETG30 bis 60 %, je nach Profil bis 100 %ausmehr Kühlung für Details, weniger für Festigkeit
ABS, ASA0 bis 30 %, Überhänge bis 80 %ausnur wenig kühlen, geschlossener Bauraum
TPU0 bis 100 %, stark profilabhängigausHerstellerangabe beachten
PA (Nylon)0 bis 30 %, Überhänge höherausHerstellerangabe max. oft 60 %
PC0 bis 30 %, Überhänge bis 60 %ausmöglichst warm drucken

Ein paar Erläuterungen:

  • PETG: Prusa empfiehlt, die ersten Schichten ohne Lüfter und danach mit etwa halber Leistung zu drucken. Für maximale Festigkeit kann der Lüfter auch ganz aus bleiben. Bambu Lab gibt für PETG HF 0 bis 80 % an. Mehr dazu in PETG drucken.
  • ABS und ASA: Bambu Lab nennt 0 bis 80 %. Das obere Ende ist für Überhänge und Brücken gedacht. Die OrcaSlicer-Grundprofile lassen den Lüfter bei normal langen Schichten auf 10 % und erhöhen nur bei sehr kurzen Schichtzeiten.
  • TPU: Hier gehen die Empfehlungen weit auseinander. Prusa rät, die Kühlung auszuschalten. Bambu Lab gibt für TPU 95A HF 50 bis 100 % an. Probier im Zweifel mit mittlerer Kühlung und passe nach dem Ergebnis an.
  • PA und PC: Bambu Lab nennt für PA6-CF und PC jeweils 0 bis 60 %. Bei diesen Materialien ist Warping das größere Problem als ein unsauberer Überhang.

Die ersten Schichten

Fast alle Profile schalten den Lüfter für die erste Schicht aus, viele für die ersten 2 bis 3 Schichten. Das warme Material haftet besser am Bett und die erste Schicht verzieht sich nicht. Danach fährt der Lüfter auf den eingestellten Wert hoch. In manchen Slicern lässt sich einstellen, ab welcher Schicht die volle Drehzahl erreicht wird, damit der Übergang sanfter ist.

Probleme mit der Haftung haben deshalb selten mit dem Lüfter zu tun, solange er in den ersten Schichten aus ist.

Mindestschichtzeit

Bei kleinen Teilen oder schmalen Spitzen ist eine Schicht in wenigen Sekunden fertig. Dann liegt die nächste Schicht auf noch weichem Material, und das Teil verformt sich. Dagegen helfen zwei Einstellungen:

  • Lüfter hochfahren bei kurzen Schichten: Unterschreitet die Schichtzeit einen Wert, dreht der Lüfter stärker. In OrcaSlicer zum Beispiel heißt das “Fan speed threshold” mit einer Schichtzeit, ab der die volle Drehzahl gilt.
  • Langsamer drucken bei kurzen Schichten: Unterschreitet die Schichtzeit einen Mindestwert, bremst der Drucker ab, bis eine Mindestgeschwindigkeit erreicht ist. Die OrcaSlicer-Grundprofile nutzen je nach Material Werte zwischen etwa 2 und 8 Sekunden.

Ein einfacher Trick, wenn die Spitze trotzdem weich wird: zwei Teile gleichzeitig drucken. Dann hat jede Schicht doppelt so viel Zeit zum Abkühlen.

Überhänge und Brücken

Für Überhänge und Brücken lässt sich in den meisten Slicern eine eigene Lüfterdrehzahl festlegen. Sie gilt nur, während diese Bereiche gedruckt werden.

  • PLA: 100 %.
  • PETG: 80 bis 100 % für Brücken, sonst hängen sie durch.
  • ABS, ASA: etwa 50 bis 80 %.
  • PA, PC: bis 60 %, je nach Profil weniger.

Zusätzlich hilft es, Brücken und starke Überhänge langsamer zu drucken. Mehr dazu in Brücken hängen durch.

Hilfslüfter und Kammerlüfter

Manche Drucker haben neben dem Lüfter am Druckkopf weitere Lüfter:

  • Hilfslüfter (Aux-Lüfter): ein großer Lüfter an der Seite des Bauraums, der zusätzlich auf das Teil bläst. Er hilft bei PLA mit sehr großen Überhängen oder hoher Geschwindigkeit. Bei ABS, ASA, PA und PC bleibt er besser aus, weil er den Bauraum abkühlt.
  • Kammerlüfter (Abluft): saugt warme Luft aus dem Bauraum ab. Bei PLA in geschlossenen Druckern ist das wichtig, sonst wird es zu warm und das Material wird weich, bevor es in der Düse ist. Deckel oder Tür einen Spalt öffnen hat einen ähnlichen Effekt. Bei ABS und ASA bleibt der Kammerlüfter aus oder läuft nur über einen Filter.

Typische Fehlerbilder

BeobachtungMögliche Ursache
Überhänge rollen sich nach obenzu wenig Kühlung
Spitzen und kleine Teile verformtSchichtzeit zu kurz
Teil bricht leicht entlang der Schichtenzu viel Kühlung
Ecken heben sich bei ABSzu viel Kühlung, siehe Warping

Weiter mit: Druckgeschwindigkeit und Drucktemperatur einstellen.