Z-Naht verstecken: Nahtposition richtig einstellen

Einstellungen5 Min. LesezeitStand: 10/2026

erklären wir kurz, wenn du darauf zeigst oder tippst.

Auf vielen Drucken siehst du eine senkrechte Linie aus kleinen Punkten oder Wülsten, die sich über die ganze Höhe zieht. Das ist die Z-Naht. Ganz verhindern lässt sie sich beim FDM-Druck nicht. Du kannst aber steuern, wo sie liegt und wie stark sie auffällt.

Was ist die Z-Naht?

Jede Außenwand ist eine geschlossene Schleife. Der Drucker muss irgendwo anfangen und am selben Punkt wieder aufhören. An dieser Stelle entstehen kleine Fehler:

  • Beim Start baut sich der Druck in der Düse erst auf, die Linie ist kurz zu dünn oder es tritt ein kleiner Tropfen aus.
  • Beim Ende läuft noch etwas Material nach, es entsteht eine kleine Erhebung.
  • Zwischen Ende und Anfang kann eine winzige Lücke bleiben.

Da jede Schicht an einer solchen Stelle beginnt, ergibt sich über die Höhe eine Naht. Wie sichtbar sie ist, hängt von der Nahtposition und von der Kalibrierung ab.

Die Optionen für die Nahtposition

Die Namen unterscheiden sich je nach Slicer leicht. Die Grundidee ist überall gleich.

OptionWas passiertGut für
Ausgerichtet (Aligned)Naht liegt in jeder Schicht an derselben Stelle, bevorzugt in Eckendie meisten Teile, gerade Linie ist leicht zu verstecken
Nächste (Nearest)Naht dort, wo die Düse gerade ist, bevorzugt in Inneneckenschnelle Drucke, Optik egal
Zufällig (Random)jede Schicht an anderer Stellerunde Teile ohne Ecken, Vasen
Hinten (Rear/Back)Naht auf der Rückseite des TeilsTeile mit klarer Vorderseite
Ausgerichtet hinten (OrcaSlicer)wie Ausgerichtet, aber nach hinten verschobenFiguren, Deko

Ausgerichtet

Der Standard in vielen Profilen, auch in Bambu Studio und OrcaSlicer. Die Naht wird möglichst in eine Ecke oder Kante gelegt. Bei kantigen Teilen verschwindet sie dort fast komplett. Bei runden Teilen entsteht eine durchgehende Linie, die du aber gezielt nach hinten legen kannst.

Nächste

Spart Leerfahrten und damit etwas Zeit. Die Naht springt aber zwischen verschiedenen Stellen, was bei sichtbaren Teilen unruhig aussieht.

Zufällig

Verteilt die Fehler über die ganze Oberfläche. Es gibt keine Linie, dafür viele kleine Punkte, die die Oberfläche etwas rau wirken lassen. Gut bei glatten, runden Formen ohne Ecken. Laut OrcaSlicer kann das die Festigkeit leicht erhöhen, weil die Schwachstelle nicht immer an derselben Stelle liegt.

Hinten

Legt die Naht auf die Rückseite, also zur Rückseite des Druckbetts hin. Praktisch, wenn du das Teil so ausrichtest, dass die Vorderseite nach vorne zeigt.

Scharfe Ecken

Eine eigene Option “scharfe Ecke” gibt es nicht in jedem Slicer. Dafür bevorzugen Ausgerichtet und Nächste von sich aus Ecken, vor allem einspringende Innenecken. In Cura gibt es zusätzlich die Einstellung “Seam Corner Preference”, mit der du festlegst, ob die Naht in Innen- oder Außenecken versteckt werden soll. Bei kantigen Teilen ist das die einfachste Methode, die Naht fast unsichtbar zu machen.

Naht malen

In PrusaSlicer, OrcaSlicer und Bambu Studio kannst du die Naht direkt am Modell festlegen. Mit einem Pinsel-Werkzeug markierst du Bereiche, an denen die Naht liegen soll, oder sperrst Bereiche für sie. In Cura gibt es stattdessen eine benutzerdefinierte Nahtposition über Koordinaten. Das ist die genaueste Methode für Figuren und Deko: Leg die Naht in eine Falte, eine Kante oder eine Rückseite, wo sie niemand sieht.

Wipe und Seam Gap

Diese Einstellungen machen die Naht selbst kleiner, egal wo sie liegt:

  • Wipe (Wischen): Nach dem Ende der Außenwand fährt die Düse ein kleines Stück weiter, oft leicht nach innen ins Teil. Dabei streift sie nachlaufendes Material ab. In OrcaSlicer heißt das unter anderem “Wipe on loops”.
  • Seam Gap (Nahtabstand): lässt am Ende der Schleife eine winzige Lücke, damit sich Anfang und Ende nicht überlappen und einen Wulst bilden. Die OrcaSlicer-Dokumentation nennt 0 bis 15 % des Düsendurchmessers für gut eingestellte Drucker.
  • Wipe vor der Außenwand: OrcaSlicer kann den Startpunkt der Außenwand leicht nach innen verlegen, damit ein Tropfen beim Start nicht außen sichtbar wird.

Scarf Seam

Die Scarf Seam (Schäftnaht) ist eine neuere Technik, die OrcaSlicer, Bambu Studio und PrusaSlicer anbieten. Statt die Schleife an einem Punkt hart zu beginnen und zu beenden, wird die Linie über eine Strecke langsam ansteigend begonnen und am Ende langsam auslaufend überlappt. So entsteht kein Stoß, sondern ein fließender Übergang.

Laut OrcaSlicer-Dokumentation:

  • Länge: etwa 20 mm als Standard
  • Stufen: 10, das reicht in der Regel
  • Geschwindigkeit: unter 100 mm/s für die Außenwand, sonst leidet das Ergebnis
  • Fluss der Naht: 100 % lassen

Am besten funktioniert die Scarf Seam auf glatten, runden Flächen. An scharfen Ecken und Überhängen bringt sie wenig. Die Variante “bedingte Scarf Seam” wendet sie deshalb nur dort an, wo eine normale Naht auffallen würde. Der Druck dauert etwas länger.

Zusammenhang mit Pressure Advance

Eine dicke, unsaubere Naht ist oft kein Problem der Nahtposition, sondern der Kalibrierung. Ohne gut eingestelltes Pressure Advance kommt am Linienanfang zu wenig und am Ende zu viel Material. Genau das sieht man an der Naht. Auch ein zu hoher Fluss macht sie dicker. Prusa nennt deshalb Linear Advance und den Extrusionsmultiplikator als wichtigste Hebel für eine unauffällige Naht. Wie du beides einstellst, steht in 3D-Drucker kalibrieren.

Ebenfalls hilfreich: eine langsamere Außenwand (siehe Druckgeschwindigkeit) und trockenes Filament, weil feuchtes Material beim Start der Linie stärker sprotzt und Fäden zieht, siehe Stringing.

So gehst du vor

  1. Nahtposition passend zum Teil wählen: kantig ausgerichtet, rund hinten oder zufällig.
  2. Bei sichtbaren Teilen die Naht in eine Kante oder auf die Rückseite malen.
  3. Pressure Advance und Fluss kalibrieren.
  4. Wipe aktivieren und bei Bedarf den Nahtabstand anpassen.
  5. Für runde, glatte Teile die Scarf Seam ausprobieren.

Weiter mit: Wände und Deckschichten.