Glossar · Kennwert
Wärmeformbeständigkeit (HDT)
Die Temperatur, ab der sich ein Kunststoff unter einer festgelegten Last verbiegt. Sie zeigt, wie warm ein Teil ungefähr werden darf.
Genauer erklärt
HDT steht für Heat Deflection Temperature. Nach ISO 75 liegt ein genormter Probestab auf zwei Auflagern, wird in der Mitte belastet und gleichmäßig erwärmt, meist um 120 K pro Stunde. Der Wert ist erreicht, wenn sich der Stab um ein festgelegtes Maß durchbiegt. Es gibt drei Laststufen: Verfahren A mit 1,8 MPa, B mit 0,45 MPa und C mit 8 MPa, und das Ergebnis hängt stark davon ab, Fiberlogy nennt für sein PCTG 64 °C bei 1,8 MPa und 76 °C bei 0,45 MPa. Ein verwandter Kennwert ist die Vicat-Erweichungstemperatur nach ISO 306, bei der eine belastete Nadel 1 mm tief eindringt.
Woher kommt der Begriff?
Englisch heat deflection temperature, wörtlich Temperatur der Durchbiegung unter Wärme. Im Deutschen heißt der Kennwert Wärmeformbeständigkeitstemperatur.
In der Praxis
- Vergleiche HDT-Werte nur bei gleicher Last: Ein Wert bei 0,45 MPa liegt deutlich höher als einer bei 1,8 MPa.
- Datenblattwerte stammen meist von genormten Prüfstäben. Füllung, Wände und Druckrichtung beeinflussen, wie sich ein gedrucktes Teil verhält.
- Für Teile im Auto oder nahe einer Wärmequelle Abstand zur HDT einplanen, statt bis an die Grenze zu gehen.
- Steht im Datenblatt nur ein Vicat-Wert, ist er nicht direkt mit einer HDT vergleichbar.
Nicht verwechseln
Die Wärmeformbeständigkeit ist nicht die Glasübergangstemperatur: Die HDT ist ein Prüfwert unter Last, der Glasübergang eine Materialeigenschaft ohne Last.
Häufige Fragen
Was bedeuten A und B bei der HDT?
Sie geben die Prüflast nach ISO 75 an: A steht für 1,8 MPa, B für 0,45 MPa. Je niedriger die Last, desto höher der gemessene Wert.
Wie heiß darf ein gedrucktes Teil werden?
Als grober Anhaltspunkt dient die HDT aus dem Datenblatt. Wie viel Last das Teil trägt, wie dick es ist und wie es gedruckt wurde, verschiebt die Grenze. Bei kritischen Teilen hilft nur ein Test unter echten Bedingungen.