Zur Hauptseite nadinmacht.deEnglish

Tiefziehen mit 3D-gedruckten Formen: Folie, Master, Ablauf

Zubehör9 Min. LesezeitStand: 10/2026

erklären wir kurz, wenn du darauf zeigst oder tippst.

Beim Vakuum-Tiefziehen wird eine Kunststofffolie erhitzt, über eine Form gelegt und per Unterdruck daran festgesaugt. Die Form nennt man Master, Werkzeug oder Template. Ein 3D-Drucker ist dafür ein gutes Tiefziehwerkzeug: Der Master ist in ein paar Stunden gedruckt und lässt sich beliebig anpassen. Damit es klappt, zählen drei Dinge: ein Master, der die Hitze aushält und sich entformen lässt, die passende Folie für den Zweck und Luft, die überall entweichen kann.

So funktioniert Vakuum-Tiefziehen

Mayku beschreibt den Ablauf in fünf Schritten:

  1. Master gestalten und herstellen, zum Beispiel per 3D-Druck.
  2. Folie einspannen. Sie liegt im Rahmen über dem Formbett.
  3. Folie erhitzen, bis sie weich ist. Mayku rät, darauf zu achten, wann die Folie gerade anfängt durchzuhängen.
  4. Folie über den Master senken und Vakuum anlegen. Die Pumpe saugt die Luft zwischen Folie und Master ab, die Folie legt sich eng an.
  5. Abkühlen lassen, entformen, beschneiden.

Es gibt zwei Arten von Mastern. Ein positiver Master (Mayku: „male“) ist erhaben, die Folie legt sich außen darüber. Ein negativer Master („female“) ist eine Vertiefung, die Folie wird hineingezogen. Laut Mayku sind positive Master beim Tiefziehen üblicher, vor allem für Gießformen für Schokolade, Seife, Kerzen oder Jesmonite und für einfache Verpackungen. Maßhaltig ist immer die Seite der Folie, die den Master berührt.

Der 3D-gedruckte Master

Material und Hitze

Die Folie wird zum Formen deutlich heißer, als ein gedrucktes Teil dauerhaft aushält. Formech nennt Formtemperaturen von 120 bis 160 °C für PETG, 150 bis 175 °C für HIPS und 150 bis 180 °C für ABS. Der Master bekommt die Hitze nur kurz ab, verformt sich aber trotzdem, wenn das Material zu früh weich wird oder sich bei mehreren Durchgängen hintereinander aufheizt.

Filament für den MasterWärmeformbeständigkeit laut DatenblattEinschätzung für Tiefziehformen
PLAHDT 55 °C (Prusament PLA)Formech: geringe Hitzebeständigkeit, nur für einen schnellen Prototyp. Mayku: braucht hohen Infill.
PETGHDT 68 °C (Prusament PETG)Formech: gut für niedrige bis mittlere Formtemperaturen, empfohlen
ABSHDT 85 °C (Extrudr DuraPro ABS)Formech: besser geeignet als PLA, empfohlen
ASAHDT 93 bis 96 °C (Prusament, Extrudr)Formech: ähnlich wie ABS, mäßige Hitze
PC113 °C (Prusament PC Blend)Formech: sehr gut für hitzebeständige Werkzeuge, braucht Hochtemperatur-Drucker mit Gehäuse
Nylon mit Kohlefaserje nach SorteFormech: ideal für feste, langlebige Werkzeuge
TPUje nach SorteFormech: ungeeignet, weil nicht steif

Die Datenblattwerte und ihre Bedeutung stehen ausführlich unter UV-beständiges und hitzefestes Filament. Mayku rät allgemein zu einem Master-Material, das erst über der Temperatur der Folie schmilzt, idealerweise über 100 °C.

Wer im Resin-Druck arbeitet: Standard-Resin taugt laut Mayku nur für eine einmalige Form und zerbröselt bei wiederholter Nutzung um 70 °C. Hochtemperatur-Resin hält deutlich mehr aus, Formlabs nennt für sein High Temp Resin eine HDT von 238 °C. Dafür liefert Resin laut Mayku so glatte Oberflächen, dass keine Nachbearbeitung nötig ist, und nennt Resin-Master deshalb für Schokoladenformen besonders passend.

Wände und Infill

Ein gedruckter Master muss Hitze und Unterdruck aushalten, ohne einzufallen. Mayku nennt für PLA ausdrücklich einen hohen Infill. Ist ein Master beim Formen geschmolzen, empfiehlt Mayku, ihn mit dickeren Wänden neu zu drucken. Für frühe Prototypen kann man den gedruckten Master laut Mayku auch mit Gips füllen, damit er stabiler wird. Wie Wände und Füllung zusammenspielen, steht unter Wände und Deckschichten und Infill.

Zwischen zwei Durchgängen sollte der Master laut Mayku langsam abkühlen. Formlabs gibt für Formen aus Grey Resin 8 bis 10 Minuten Abkühlzeit zwischen zwei Teilen an.

Entformungsschrägen

Senkrechte Wände lassen sich schlecht entformen, die Folie klemmt am Master fest. Deshalb bekommen alle Seitenflächen eine Schräge. Die Herstellerangaben unterscheiden sich:

  • Mayku: mindestens 5°, für feste Folien wie PETG und HIPS 8°, für flexible EVA-Folie keine Schräge nötig.
  • Formlabs: 4 bis 5° bei positiven Mastern, 1,5 bis 3° bei negativen, mehr bei tiefen Teilen und strukturierten Oberflächen.
  • xTool: 3 bis 5° Schräge und abgerundete Kanten.

Je fester die Folie und je höher der Master, desto mehr Schräge.

Keine Hinterschnitte

Hinterschnitte sind Stellen, an denen die Folie hinter eine Kante greift, zum Beispiel ein Absatz oder eine Einkerbung an der Seite. Laut Mayku bekommst du den Master dann nach dem Abkühlen nicht mehr heraus. Ausnahmen und Auswege laut Mayku und Formlabs:

  • Flexible Folie wie EVA verträgt kleine Hinterschnitte und sogar erhabene Schrift an senkrechten Wänden.
  • Mehrteiliger Master, dessen Teile sich nacheinander herausnehmen lassen. Formlabs nennt dafür Magnete, die die Teile zusammenhalten.
  • Schnittlinie im Master vorsehen, an der das Teil später aufgeschnitten wird.

Form und Abstände

  • Breiter als hoch. Laut Mayku formen sich breite Teile leichter als hohe. Um Risse zu vermeiden, rät Mayku, nichts zu formen, das höher als breit ist.
  • Vertiefungen nicht zu tief. Bei Hohlräumen sollte die Tiefe laut Mayku höchstens zwei Drittel der Öffnungsbreite betragen. Die Folie wird beim Strecken dünner: Verdoppelt sich die Fläche, halbiert sich die Dicke im Schnitt.
  • Kanten runden. Spitze Winkel unter 90° führen laut Mayku zu Falten und Rissen. In einem Mayku-Beitrag schreibt der Designer Agustín Arroyo, dass schon eine Rundung von 2 mm viel ausmacht.
  • Abstand zwischen mehreren Mastern größer als die Höhe des höchsten Masters, sonst bilden sich zwischen ihnen Falten (Mayku).

Entlüftungslöcher

In Vertiefungen und Ecken bleibt sonst Luft gefangen, und die Folie liegt dort nur lose auf. Mayku zählt FFF-Drucke (also FDM) zu den nicht porösen Werkstoffen, die Luftlöcher brauchen. Poröse SLS-Drucke brauchen laut Mayku keine.

QuelleLochgrößeLage
Mayku0,5 mm an der Oberfläche, nach innen weiter werdend, bei FDM wenn nötig größersparsam, in Vertiefungen nahe Kanten und Ecken
Formechetwa 1 mm bei Folien bis 2 mm, 1,5 mm bei dickeren, unter 1 mm Folie 0,75 mm oder kleineram tiefsten Punkt von Vertiefungen, an Übergängen, in jeder Ecke, etwa 25 mm Abstand
FormlabsDurchmesser passend zur Folienstärkein innenliegenden Vertiefungen

Zu große Löcher in dünner Folie können laut Mayku platzen. Bei FDM setzt sich Filament leicht in sehr kleinen Löchern ab, prüfe sie deshalb vor dem Formen, zum Beispiel mit Druckluft. Formech empfiehlt außerdem, den Master etwa 1 mm vom Grundbrett anzuheben, statt rundherum Löcher zu bohren, etwa mit Drahtgitter, Unterlegscheiben oder dünnen Leisten. Das gibt einen kräftigeren Luftstrom.

Glatte Oberfläche

Die Folie bildet jede Schichtlinie ab. Das sieht man nicht nur, es macht laut Mayku auch das Entformen schwerer. Was hilft:

  • Feine Schichten. Agustín Arroyo empfiehlt im Mayku-Beitrag 0,1 mm Schichthöhe. Mehr dazu unter Layerhöhe.
  • Schleifen. Mayku rät, die Schichtlinien abzuschleifen. Für große Flächen Spachtel und Schleifpapier, für feine Details Sandstrahlen.
  • Lücken füllen. Mayku empfiehlt Holzspachtel, weil er am Druck haftet und sich gut schleifen lässt. Gips haftet laut Mayku nicht am gedruckten Kunststoff und bleibt eher in der Folie hängen.
  • Keine Stützen auf Formflächen (Formlabs), sonst bleiben Spuren.

Wie du gedruckte Teile schleifst und spachtelst, steht unter 3D-Drucke nachbearbeiten.

Trennmittel

Mayku empfiehlt für Teile, die nicht mit Lebensmitteln in Berührung kommen, PTFE-Spray in vier Schichten auf den Master. Für Formen, in die Essbares gegossen wird, rät Mayku ausdrücklich davon ab. xTool nennt Talkum oder Trennspray, wenn nötig. Formlabs nennt Silikon-Trennmittel.

Folienarten

FolieTypische Stärken bei Desktop-GerätenEigenschaften laut HerstellerTypische Anwendungen
PETG0,5 und 1,0 mm (Mayku, xTool)fest, klar, gut formbar, chemikalienbeständig. Mayku und xTool bezeichnen ihre PETG-Folie als lebensmittelgeeignet.Verpackung, transparente Prototypen, Gießformen
PET (APET, RPET)keine Herstellerangabe für Desktop-Geräteklar, schmales Temperaturfenster, kristallisiert bei Überhitzung (Formech)Blister, Trayeinsätze (Formech)
HIPS (Polystyrol)0,5 mm (Mayku), 0,5 und 1,0 mm (xTool)fest, günstig, leicht zu formen, lässt sich lackieren, schneiden und kleben. Spröder als PETG, kann beim Entformen weiße Stressmarken bekommen (xTool)Verpackung, Gehäuse, Modellbau, Figuren, Displays
ABS1,5 mm im Test von Formech und Formlabsschlagfester als HIPS, muss vorher getrocknet werden, 90 Minuten je mm (Formech)Gehäuse, Teile für draußen
PC (Polycarbonat)keine Herstellerangabe für Desktop-Gerätesteif und sehr schlagfest, muss getrocknet werden, Mayku nennt 90 bis 120 °C für 6 bis 12 Stunden. Formtemperatur 170 bis 205 °C (Formech)Karosserien für RC-Autos, Schutzscheiben
PVCkeine Herstellerangabe für Desktop-Gerätegut formbar, chemikalienbeständig. Gibt beim Verbrennen Salzsäure ab (Formech), Mayku rät von PVC abBlister, Trayeinsätze, Gehäuse für draußen
PP, PEFormlabs-Test: PP 1,0 mm, PE 2,0 mmrobust und chemikalienbeständig, aber laut Formech schwierig: dehnt sich stark, bildet leicht Falten, sucht sich jede Lücke im MasterVerpackung, robuste Teile
EVA1 mm (Mayku Flex Sheet)flexibel und reißfest, -35 bis 60 °C, beständig gegen viele Gießmaterialien wie Resin, leicht zu entformen (Mayku)wiederverwendbare Gießformen, Formen mit kleinen Hinterschnitten
TPU0,5 und 1,0 mm (xTool)weich, gummiartig, lässt sich am leichtesten entformen. xTool bezeichnet seine TPU-Folie als lebensmittelgeeignet.Gießformen, Staub- und Schutzhüllen

Zwei Grundregeln aus den Herstellerangaben:

  • Dünn oder dick: Dünne Folie heizt schneller auf und bildet feinere Details ab, das fertige Teil ist aber weicher oder spröder. Dicke Folie ist stabiler, bildet die feinsten Details aber weniger scharf ab (xTool). Formlabs nennt als Faustregel: Mindeststärke der Folie gleich Ziehverhältnis mal gewünschter Endstärke, ein Ziehverhältnis von 3:1 gilt als Obergrenze.
  • Gerätegrenze beachten: Die Mayku FormBox verträgt laut Hersteller höchstens 1,5 mm dicke Folie. Was dein Gerät schafft, steht in dessen Anleitung.

Lebensmittelgeeignet ist eine Folie nur, wenn ihr Hersteller das so angibt. Bei Folien ohne Angabe gehst du nicht davon aus. Der gedruckte Master selbst berührt das Lebensmittel nicht, wohl aber die Folie. Mehr zum Thema unter Lebensmittelecht drucken.

Nadins Erfahrung mit der xTool WonderPress

Nadin hat das Tiefziehen mit dem 3D Form Module der xTool WonderPress ausprobiert. Das Gerät wurde ihr von xTool als Beta-Testerin gestellt. Unter allen Modulen hatte das Tiefziehen für sie die größte Lernkurve.

  • Weiche TPU-Folie brachte bei ihr keine guten Formen. Mit passender Tiefziehfolie wurden die Formen gut.
  • Sie hat eine Blister-Verpackung über einem 3D-gedruckten Master gezogen.
  • Ihr Fazit: „Es kommt stark auf die richtige Folie für den richtigen Zweck an. Eine zu feste Folie klappt nicht, wenn du etwas gießen möchtest, das du wieder herausholen willst, zum Beispiel Wachs. Dafür ist sie gut für Verpackungen. Man kann nicht für alles die gleiche Folie nehmen.“

Welche Folie für welchen Zweck

ZweckFolie laut HerstellerWorauf achten
Gießform für Wachs (Kerzen)xTool nennt PETG, TPU und HIPS, Mayku Clear Sheets (PETG)Nadin: zu feste Folie lässt das Wachs schlecht heraus. Mayku: Gießmaterial unter 50 °C halten, Folie aus PETG verformt sich ab etwa 60 °C. Wachs abkühlen lassen, bis sich eine Haut bildet, bei rund 50 °C die Form in kaltes Wasser stellen.
Gießform für SeifexTool nennt TPU, Mayku nennt Seife als geeignetes GießmaterialTemperaturgrenze 50 °C wie bei Wachs (Mayku)
Gießform für GipsxTool nennt PETG, TPU und HIPS, Mayku Clear SheetsMayku: der eigene Dentalgips Mayku Pour bindet in knapp 30 Minuten ab und sollte danach mindestens 48 Stunden trocknen
Gießform für Beton, JesmoniteMayku nennt beides als Gießmaterial, aber keine bestimmte Foliekeine Herstellerangabe zur Folie
Gießform für SchokoladexTool nennt PETG und TPU, Mayku Clear Sheets (PETG)nur lebensmittelgeeignete Folie, kein PTFE-Spray. Mayku: temperierte Schokolade schrumpft beim Abkühlen leicht und löst sich dadurch besser.
Gießform für ResinMayku Resin Sheets (1,5 mm), Mayku Flex Sheets (EVA), xTool PETG und TPUMayku rät für Resin zu seinen Resin Sheets
Verpackung, BlisterPETG (xTool, Mayku), PET und PVC (Formech), HIPS für undurchsichtige Verpackungfeste Folie hält die Form. Für Lebensmittelverpackung nur Folie mit entsprechender Herstellerangabe.
Schutz- und StaubhüllenTPU (xTool), PETG für klare Abdeckungen (Formech)flexible Folie bei Teilen, die sich bewegen oder abnehmen lassen sollen
Modellbau, Gehäuse, FigurenHIPS (xTool, Mayku), ABS (Formech), PC für sehr schlagfeste Teile wie RC-Karosserien (Formech)HIPS lässt sich laut Mayku mit Grundierung lackieren und mit Stift beschriften

Ist das Gießmaterial heißer, als die Folie aushält, rät Mayku, zuerst eine Form aus Silikon oder Gips zu gießen und darin das heiße Material zu verarbeiten. Mayku warnt außerdem: Clear Sheets nicht in den Ofen oder die Mikrowelle.

Typische Fehler

FehlerHäufige UrsacheLösung
Falten (Webbing)Master zu hoch oder zu spitz, Master zu dicht beieinander, Folie zu heiß, Rahmen zu schnell abgesenkt (Mayku)Kanten runden, mehr Schräge, Master breiter als hoch, Abstand größer als die Höhe, Rahmen zügig, aber gleichmäßig absenken
Folie reißtspitze Kanten, zu tiefe Vertiefungen, Folie zu dünn für die Ziehtiefe, Entlüftungslöcher zu groß (Mayku, Formlabs)Radien, Vertiefung höchstens zwei Drittel der Breite, dickere Folie, kleinere Löcher
Folie wird milchig oder weißüberhitzt, die Folie kristallisiert (Mayku, bei PET auch Formech)kürzer heizen, formen, sobald die Folie durchhängt
Blasen in der FolieFeuchtigkeit bei ABS oder PC (Formech, Mayku)Folie vorher trocknen
Master steckt festkeine oder zu wenig Schräge, Hinterschnitte, raue Schichtlinien, zu feste Foliemehr Schräge, Hinterschnitte entfernen, schleifen, Trennmittel, flexiblere Folie. Mayku: auf weicher Unterlage mittig drücken oder knapp neben dem Teil (unter 10 mm) ausschneiden.
Master verformt oder schmilztFilament zu wenig hitzebeständig, Wände zu dünn, zu viele Durchgänge ohne PausePETG, ABS, ASA oder PC statt PLA, dickere Wände, mehr Infill, zwischen den Durchgängen abkühlen lassen
Details fehlen, Folie liegt nur lose aufeingeschlossene Luft, Folie zu kalt oder zu dickEntlüftungslöcher an tiefen Stellen und Ecken, Löcher freiblasen, Master leicht anheben, dünnere Folie
Schichtlinien im ErgebnisFolie bildet die Druckoberfläche abfeinere Schichthöhe, schleifen, spachteln, Resin-Druck für glatte Formen

Geräte im Wiki

Die technischen Daten der xTool WonderPress mit ihrem 3D Form Module stehen im Datenblatt der xTool WonderPress. Wie die Presse selbst funktioniert, steht unter Heißpresse richtig nutzen.

Quellen (16)