Polycarbonat (PC) drucken: Temperaturen, Kammer und Warping
erklären wir kurz, wenn du darauf zeigst oder tippst.
Polycarbonat, kurz PC, kennst du von Schutzbrillen, Leuchtenabdeckungen oder Gehäusen von Elektrowerkzeugen. Im 3D-Druck ist es das Material der Wahl, wenn ein Teil Wärme und Schläge aushalten muss. Dafür braucht es sehr hohe Temperaturen und eine warme Umgebung, sonst verzieht es sich stark.
Einstellungen auf einen Blick
| Einstellung | Richtwert |
|---|---|
| Düsentemperatur | 250 bis 290 °C |
| Betttemperatur | 90 bis 120 °C |
| Bauteilkühlung | aus oder gering, etwa 0 bis 30 % |
| Kammer | geschlossen, am besten aktiv beheizt |
| Druckplatte | texturiertes PEI oder Spezialplatte, mit Klebestift |
| Trocknen | 75 bis 80 °C, 6 bis 8 Stunden |
Die Angabe auf der Spule geht vor. Prusa nennt für sein PC Blend zum Beispiel 275 °C Düse und 110 bis 115 °C Bett, andere Hersteller liegen bei 250 bis 270 °C.
Was PC kann
- Hitzebeständig: Je nach Sorte liegt die Wärmeformbeständigkeit bei rund 105 bis 115 °C, also über ABS und ASA. PC eignet sich deshalb zum Beispiel für Lüfterdüsen am Drucker oder Halterungen, die im Auto in der Sonne warm werden.
- Schlagfest und zäh: PC bricht nicht so leicht wie PLA, sondern verformt sich eher.
- Transparente Sorten: Klares PC lässt sich drucken, wird aber durch die Schichten nie glasklar.
Die Kehrseite: PC ist eines der schwierigsten gängigen Filamente. Für den Einstieg ist es nicht geeignet.
Hohe Temperaturen: was dein Drucker können muss
Mit 250 bis 290 °C an der Düse und über 100 °C am Bett stößt PC an die Grenzen vieler Geräte. Prüfe vorher:
- Hotend: dauerhaft mindestens 270 °C, besser 300 °C. Ein Hotend mit PTFE-Schlauch bis in die Heizzone ist ungeeignet.
- Heizbett: muss 100 °C oder mehr zuverlässig halten.
- Gehäuse: geschlossen, sonst ist Verzug bei allem außer kleinen Teilen fast sicher.
Kammer und Warping
PC schrumpft beim Abkühlen stark und neigt, ähnlich wie Nylon, zu deutlichem Warping. Prusa schreibt sogar, dass sich PC trotz Zusätzen stark verzieht und empfiehlt eine Einhausung dringend.
Was hilft:
- Warme Kammer: Ein geschlossener Drucker ist das Minimum. Mit aktiv beheizter Kammer gelingen auch größere Teile deutlich zuverlässiger. Eine Übersicht findest du unter Drucker mit beheizter Kammer.
- Lüfter niedrig: Bauteilkühlung auf 0 bis 30 % reduzieren, nur für Überhänge etwas mehr.
- Brim: 5 bis 10 mm Breite.
- Konstruktion: abgerundete Ecken verziehen sich weniger als scharfe. Große, flache Teile über das ganze Bett möglichst vermeiden.
- Keine Zugluft: Fenster zu, Drucker nicht neben Lüftung oder Klimaanlage.
Manche Hersteller empfehlen, das fertige Teil zu tempern, etwa 2 Stunden bei 90 °C. Das baut innere Spannungen ab.
Druckplatte und Haftung
PC haftet auf glattem PEI sehr stark und kann die Oberfläche beim Ablösen beschädigen. Prusa rät deshalb von glatten PEI-Platten ab. Besser:
- texturierte PEI-Platte oder eine Platte für technische Materialien
- dünne Schicht Klebestift als Trennschicht, sie schützt auch die Platte
- Platte vor dem Ablösen vollständig abkühlen lassen
Feuchtigkeit
PC ist hygroskopisch, wenn auch weniger extrem als Nylon. Feuchtes PC zeigt Blasen, Knistern und schlechte Schichthaftung. Vor dem Druck trocknen, typische Herstellerangabe sind 75 bis 80 °C für 6 bis 8 Stunden. Wie das am besten geht, steht unter Filament trocknen.
PC-Blends: einfacher zu drucken
Reines PC ist schwierig. Deshalb gibt es Mischungen, die einen Teil der Eigenschaften behalten und sich gutmütiger drucken:
| Blend | Was sich ändert |
|---|---|
| PC-ABS | etwas niedrigere Temperaturen, weniger Verzug, geringere Hitzebeständigkeit als reines PC |
| PC-PBT | bessere Chemikalienbeständigkeit (Öle, Fette, schwache Säuren), schlagzäh auch bei Kälte, Wärmeformbeständigkeit um 90 °C |
| “PC Blend” einzelner Hersteller | Rezeptur meist nicht offengelegt, druckt sich leichter, verzieht bei großen Teilen trotzdem |
Wenn du PC zum ersten Mal ausprobierst, ist ein Blend der sinnvollere Start. Brauchst du nur etwas mehr Hitzebeständigkeit als PLA und kein Hochleistungsteil, reicht oft schon ASA oder ABS.
Typische Probleme
| Problem | Häufige Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Ecken lösen sich | Kammer zu kalt, Lüfter an | Kammer vorheizen, Lüfter aus, Brim |
| Risse zwischen Schichten | Temperaturgefälle im Bauraum | geschlossen drucken, Düsentemperatur prüfen |
| Teil klebt zu fest | glattes PEI ohne Trennschicht | Klebestift, abkühlen lassen |
| Blasen, Knistern | feuchtes Filament | trocknen |
| Unterextrusion | Hotend zu kalt oder zu langsam beheizt | Temperatur erhöhen, Geschwindigkeit senken |
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