3D-Drucke nachbearbeiten: Schleifen, Spachteln, Grundieren, Lackieren
erklären wir kurz, wenn du darauf zeigst oder tippst.
Ein Druck kommt fast nie so vom Bett, wie er am Ende aussehen soll. Schichtlinien, Stützreste und kleine Lücken fallen besonders auf, wenn ein Teil lackiert oder ausgestellt wird. Mit Schleifpapier, Füller und Lack bekommst du daraus eine Oberfläche, der man den 3D-Druck kaum noch ansieht. Hier ist die Reihenfolge, die sich bewährt hat.
Vorher: weniger nacharbeiten durch gute Einstellungen
Jede Schichtlinie, die du nicht druckst, musst du nicht wegschleifen. Eine kleinere Layerhöhe und eine gute Ausrichtung auf dem Bett sparen viel Arbeit. Für flache Oberseiten gibt es im Slicer außerdem Ironing: Die Düse fährt noch einmal mit wenig Material über die oberste Schicht und glättet sie. Mehr dazu unter Löcher in der Oberseite.
Schritt 1: Stützen entfernen
Stützen mit Zange, Cutter oder Entgratwerkzeug entfernen und Reste grob abtragen. Wie das sauber geht und wie du Stützen so einstellst, dass sie sich leicht lösen, steht unter Stützstrukturen.
Schritt 2: Schleifen
Die Startkörnung richtet sich nach der Layerhöhe:
| Ausgangslage | Startkörnung |
|---|---|
| Layerhöhe bis 0,2 mm | etwa 150 |
| Layerhöhe ab 0,3 mm oder deutliche Unebenheiten | etwa 100 |
Danach schrittweise feiner werden, zum Beispiel 220, 400, 600. Keine Stufe überspringen, sonst bleiben die Kratzer der gröberen Körnung sichtbar.
Nass schleifen ist bei Kunststoff fast immer besser. Das Wasser kühlt und bindet den Staub. Trocken wird PLA durch die Reibungswärme schnell weich und schmiert, PETG noch stärker. Wasserfestes Schleifpapier verwenden, einen Tropfen Spülmittel ins Wasser geben, mit leichtem Druck in kreisenden Bewegungen schleifen und den Schleifschlamm zwischendurch abspülen.
Für ebene Flächen einen Schleifklotz nutzen, sonst rundest du Kanten ab. Für Rundungen und Details helfen Schleifschwämme und Feilen.
Faserverstärkte Filamente mit Carbon oder Glasfaser nur nass und mit Atemschutz schleifen. Warum, steht unter Sicherheit beim 3D-Druck.
Schritt 3: Spachteln und Füller
Tiefe Lücken, Nahtstellen und Klebefugen schließt du mit Spachtelmasse. Für kleine Stellen reicht Feinspachtel aus dem Modellbau oder Autobedarf. Für größere Flächen eignet sich 2K-Spachtel, der chemisch aushärtet und nicht nachschrumpft. Dünn auftragen, aushärten lassen und mit 220 bis 400 bündig schleifen.
Schritt 4: Filler-Primer
Ein Filler-Primer ist eine dicke Grundierung, die feine Schichtlinien füllt. Die Arbeitsweise:
- Teil entfetten, zum Beispiel mit Isopropanol.
- Zwei dünne Schichten sprühen, Abstand etwa 15 bis 20 cm. Lieber mehrere dünne Schichten als eine dicke, sonst laufen Tropfen und Details verschwinden.
- Trocknen lassen, Zeit laut Dose.
- Mit 400 nass schleifen. Die Grundierung bleibt in den Vertiefungen, die Spitzen werden abgetragen.
- Wiederholen, bis keine Schichtlinien mehr zu sehen sind. Vor dem Lackieren mit etwa 600 nass schleifen.
Graue Grundierung zeigt Fehlstellen am besten.
Schritt 5: Lackieren
Sprühlack ist der einfache Weg. Acryllack aus der Dose haftet auf einer Grundierung gut. Auch hier mehrere dünne Schichten. Nicht bei hoher Luftfeuchtigkeit oder Kälte sprühen, Herstellerangaben zur Verarbeitungstemperatur beachten.
Airbrush lohnt sich für Figuren, Farbverläufe und feine Details. Es braucht Kompressor, Pistole und Übung, dafür sparst du Farbe und hast mehr Kontrolle.
Wichtig bei beidem: Lösungsmittelhaltige Lacke immer im Freien oder bei guter Lüftung verarbeiten, Atemschutz mit passendem Filter tragen.
Schritt 6: Klarlack
Klarlack schützt die Farbe vor Abrieb und UV. Es gibt ihn matt, seidenmatt und glänzend. Zwei dünne Schichten reichen meist. Achte darauf, dass Farbe und Klarlack zueinander passen, am besten aus demselben System. Im Zweifel an einem Probestück testen, ob der Klarlack die Farbe anlöst.
Kleben
Vor dem Kleben die Flächen leicht anschleifen und mit Isopropanol entfetten.
- Sekundenkleber (Cyanacrylat): schnell, gut für kleine Teile aus PLA, ABS und ASA. Bei PETG hält er oft weniger zuverlässig. Gelartiger Sekundenkleber füllt kleine Spalten. Ein Aktivator-Spray beschleunigt das Aushärten.
- 2K-Epoxid: für größere Flächen und belastete Verbindungen. Füllt Spalten, braucht aber je nach Produkt Minuten bis Stunden. Für fast alle steifen Filamente geeignet.
- Lösungsmittel: nur bei ABS und ASA. Aceton löst die Oberflächen an, die Teile verschmelzen fast unsichtbar. Bei PLA, PETG und Nylon funktioniert das nicht. Aus Aceton und ABS-Resten lässt sich auch eine Paste zum Kleben und Füllen anrühren.
Aceton ist leicht entzündlich, die Dämpfe sind gesundheitsschädlich. Nur bei guter Lüftung, ohne Zündquellen in der Nähe und mit Handschuhen arbeiten.
Glätten
Aceton-Dampf für ABS und ASA
Acetondampf löst die Oberfläche von ABS an, die Schichtlinien verlaufen, das Teil glänzt. Bei ASA geht es auch, oft weniger gleichmäßig. Details und scharfe Kanten werden dabei weicher, Bohrungen und Passungen können sich verändern. Wie das genau funktioniert und welche Sicherheitsregeln gelten, steht unter ABS drucken. Aceton niemals erhitzen. Die Dämpfe sind entzündlich und können mit Luft ein explosionsfähiges Gemisch bilden.
Epoxid-Beschichtung
Dünnflüssiges Epoxidharz mit dem Pinsel aufgetragen füllt Schichtlinien und ergibt eine harte, glänzende Oberfläche. Das funktioniert unabhängig vom Filament, auch bei PLA und PETG. Gründlich und ohne Luftblasen mischen und zügig arbeiten, viele Harze werden nach etwa 15 Minuten zäh. Ablaufendes Harz sammelt sich an Unterkanten, deshalb das Teil beim Aushärten drehen oder aufhängen.
Wärme
Ein Heißluftföhn auf niedriger Stufe entfernt in Sekunden feine Fäden vom Stringing. Zum Glätten ganzer Flächen ist Wärme dagegen ungeeignet: Das Teil verzieht sich, bevor die Oberfläche glatt wird.
Was geht mit welchem Material?
| Material | Schleifen | Sekundenkleber | Epoxid | Aceton (Kleben, Glätten) | Lackieren |
|---|---|---|---|---|---|
| PLA | gut, nass | gut | gut | nein | gut mit Grundierung |
| PETG | mäßig, schmiert leicht | mäßig | gut | nein | haftet schlechter, Grundierung wichtig |
| ABS | sehr gut | gut | gut | ja | gut |
| ASA | sehr gut | gut | gut | ja, weniger gleichmäßig | gut |
| TPU | kaum möglich | nur flexible Spezialkleber | eingeschränkt | nein | nur flexible Farben |
| Nylon | mäßig, fasert | mäßig | gut | nein | haftet schlecht |
Die Werte sind Richtwerte. Filamente unterscheiden sich je nach Hersteller und Zusätzen, teste neue Kombinationen an einem Reststück.
Weiter mit: Gewindeeinsätze einschmelzen, wenn deine Teile verschraubt werden sollen.