PLA, PETG, ABS, ASA, TPU: Welches Filament wofür?
erklären wir kurz, wenn du darauf zeigst oder tippst.
Beim FDM-Druck entscheidet das Filament über fast alles: wie einfach der Druck gelingt, wie stabil das Teil wird und ob es Sonne, Hitze oder Biegen aushält. Die gute Nachricht: Für 90 Prozent aller Hobbyprojekte reichen zwei Materialien. Für den Rest lohnt sich ein Blick auf die Unterschiede.
Die Kurzfassung
| Material | Düse (Richtwert) | Bett (Richtwert) | Schwierigkeit | Typisch für |
|---|---|---|---|---|
| PLA | 190 bis 220 °C | 50 bis 60 °C | sehr leicht | Deko, Prototypen, Figuren |
| PETG | 230 bis 250 °C | 70 bis 85 °C | leicht | Funktionsteile, Halterungen |
| ABS | 240 bis 260 °C | 90 bis 110 °C | mittel bis schwer | hitzebeständige Teile |
| ASA | 240 bis 260 °C | 90 bis 110 °C | mittel bis schwer | Teile für draußen |
| TPU | 210 bis 230 °C | 40 bis 60 °C | mittel | Dichtungen, Hüllen, Dämpfer |
Alle Materialien mit Kammer, Lüfter und Trocknung auf einen Blick, auch zum Ausdrucken: Temperatur-Spickzettel.
Die Werte sind Richtwerte. Die Angaben auf der Spule gehen immer vor, denn schon zwei PLA-Sorten verschiedener Hersteller können sich um 20 °C unterscheiden.
Ausführliche Praxis-Artikel mit Einstellungen und Fehlerhilfe: PLA · PETG · ABS · ASA · TPU
PLA: der Standard für den Einstieg
PLA ist das einfachste Material überhaupt. Es druckt bei niedrigen Temperaturen, verzieht sich kaum und braucht keine geschlossene Kammer. Es gibt PLA in unzähligen Farben und Varianten, von Seidenglanz über Holzoptik bis Glitzer.
Die große Schwäche ist Wärme. Ab etwa 55 bis 60 °C wird PLA weich. Ein Handyhalter im Auto, der im Sommer in der Sonne liegt, verformt sich. Für alles, was drinnen bleibt und nicht stark belastet wird, ist PLA aber die erste Wahl.
PETG: robuster Alltagskunststoff
PETG ist zäher als PLA, bricht nicht so leicht und hält mehr Wärme aus. Damit ist es die naheliegende Wahl für Halterungen, Gehäuse und alles, was mechanisch beansprucht wird.
Zwei Dinge sollte man wissen: PETG neigt zu Stringing, also feinen Fäden zwischen den Teilen. Etwas niedrigere Temperatur und trockenes Filament helfen. Außerdem haftet PETG manchmal zu gut, auf glatten PEI-Platten kann es Stücke aus der Beschichtung reißen. Ein Trennmittel wie Klebestift schafft Abhilfe.
ABS und ASA: hitzebeständig, aber anspruchsvoll
ABS und ASA halten deutlich mehr Wärme aus als PLA und PETG und lassen sich gut schleifen und nachbearbeiten. ASA ist zusätzlich UV-beständig und damit das Material der Wahl für Teile, die dauerhaft draußen sind.
Beide schrumpfen beim Abkühlen stark und neigen zu Warping. In der Praxis heißt das: Ohne geschlossene Kammer wird es mühsam. Ein offener Drucker in einem zugigen Raum produziert bei ABS oft abgelöste Ecken und Risse zwischen den Schichten. Außerdem entstehen beim Drucken Dämpfe, der Raum sollte gut belüftet sein. Geschlossene Drucker mit Filter sind hier klar im Vorteil.
TPU: flexibel wie Gummi
TPU ist elastisch und eignet sich für Handyhüllen, Dichtungen, Füße für Geräte oder Dämpfer. Es wird langsam gedruckt, weil sich das weiche Material sonst im Extruder staucht. Ein Direct-Drive-Extruder macht TPU deutlich einfacher als ein Bowden-System.
Wie weich TPU ist, steht als Shore-Härte auf der Spule. 95A ist der übliche Einstieg, darunter wird es weicher und schwieriger zu drucken.
Feuchtigkeit: das unterschätzte Problem
Fast alle Filamente ziehen Feuchtigkeit aus der Luft, TPU und Nylon besonders stark, PETG spürbar. Feuchtes Filament knistert beim Drucken, erzeugt Blasen, raue Oberflächen und mehr Fäden. Spulen deshalb luftdicht mit Trockenmittel lagern. Wer viel mit diesen Materialien druckt, sollte über einen Filamenttrockner nachdenken.
Welcher Drucker kann was?
Für PLA, PETG und TPU reicht praktisch jeder aktuelle Drucker. Für ABS und ASA lohnt sich ein geschlossenes Gerät. In unserem Gerätevergleich siehst du auf einen Blick, welche Drucker eine geschlossene Kammer haben und wie heiß Düse und Bett werden.