Nylon (PA) drucken: Trocknen, Temperaturen, Kammer und Haftung

Filamente4 Min. LesezeitStand: 10/2026

erklären wir kurz, wenn du darauf zeigst oder tippst.

Nylon, chemisch Polyamid oder kurz PA, ist eines der zähesten Materialien im FDM-Druck. Zahnräder, Scharniere, Clips und Halterungen, die warm werden, sind typische Einsatzfälle. Dafür hat Nylon zwei große Schwächen: Es zieht extrem schnell Wasser aus der Luft, und es verzieht sich stark.

Einstellungen auf einen Blick

EinstellungRichtwert
Düsentemperatur250 bis 300 °C, je nach Sorte
Betttemperatur90 bis 120 °C
Bauteilkühlunggering, 0 bis 30 %
Kammergeschlossen, am besten aktiv beheizt
Druckplattetexturiertes PEI oder Spezialplatte, mit Klebestift
Trocknenrund 80 °C, 8 bis 12 Stunden

Die Angabe auf der Spule geht vor. Die Spannen zwischen den Herstellern sind bei Nylon größer als bei PLA oder PETG.

PA6, PA12 und PA-CF: die Unterschiede

“Nylon” ist ein Sammelbegriff. Im Handel begegnen dir vor allem drei Gruppen:

  • PA6 (und verwandte Sorten wie PA66): sehr zäh, im trockenen Zustand steif und hitzebeständig. Nimmt aber am meisten Wasser auf, je nach Quelle 3 bis 9 % des Gewichts. Feuchtes PA6 wird weicher und verändert leicht seine Maße.
  • PA12 (und PA11): nimmt deutlich weniger Wasser auf, oft unter 1 %. Etwas weniger steif und hitzebeständig als PA6, dafür maßhaltiger in feuchter Umgebung und etwas einfacher zu drucken.
  • PA-CF und PA-GF: Nylon mit kurzen Carbon- oder Glasfasern. Die Fasern machen das Teil steifer und verringern den Verzug deutlich. Dafür brauchst du eine gehärtete Düse. Mehr dazu im Artikel Carbon- und Glasfaser-Filamente.

Für den Einstieg in Nylon ist eine faserverstärkte Sorte oft die bessere Wahl als reines PA6, weil sie viel weniger verzieht.

Feuchtigkeit: Trocknen vor jedem Druck

Nylon ist stark hygroskopisch. Laut Prusa kann es bis zu 10 % seines Gewichts an Wasser aufnehmen. Schon wenige Stunden offen im Raum reichen, damit die Druckqualität spürbar leidet.

Feuchtes Nylon erkennst du an:

  • Knistern und Zischen an der Düse
  • Blasen und rauer Oberfläche
  • viel Stringing
  • Teilen, die spröde brechen statt sich zu biegen

Faustregel: Nylon vor jedem Druck trocknen und direkt aus einer Trockenbox oder einem Filamenttrockner drucken. Hersteller geben meist rund 80 °C für 8 bis 12 Stunden an, Prusa nennt mindestens 4 Stunden unter 90 °C. Viele günstige Trockner erreichen diese Temperaturen nicht. Alles Weitere zu Methoden und Lagerung steht im Artikel Filament trocknen.

Auch das fertige Teil nimmt später wieder Wasser auf. Das ist normal: Es wird dadurch etwas weicher und zäher.

Temperaturen

Nylon braucht eine heiße Düse. Prusa nennt für sein PA 285 °C, Hersteller von PA6-CF geben 260 bis 300 °C an. PA12-Sorten kommen oft mit etwas weniger aus. Viele Einsteigerdrucker sind auf 260 bis 300 °C begrenzt. Prüfe vorher, ob dein Hotend die Temperatur dauerhaft schafft und ob Düse und Heatbreak dafür ausgelegt sind.

Das Bett läuft bei 90 bis 120 °C. Die Bauteilkühlung bleibt niedrig oder aus, sonst leidet die Haftung zwischen den Schichten.

Kammer: warum es ohne kaum geht

Reines Nylon schrumpft beim Abkühlen stark. Die Folge ist Warping: Ecken heben sich, große Teile lösen sich ganz vom Bett, und zwischen den Schichten bilden sich Risse.

  • Offener Drucker: kleine Teile aus PA-CF gelingen oft, reines PA6 kaum.
  • Geschlossener Drucker: deutlich besser, Kammer vor dem Druck aufheizen lassen.
  • Aktiv beheizte Kammer: die zuverlässigste Lösung für größere Teile. Welche Geräte das haben, zeigt die Übersicht Drucker mit beheizter Kammer.

Nylon gibt beim Drucken außerdem Geruch und ultrafeine Partikel ab. Ein Gehäuse mit Filter oder gute Belüftung ist sinnvoll.

Druckplatte und Haftung

Nylon haftet auf glattem PEI oft entweder schlecht oder so stark, dass es die Beschichtung beschädigen kann. Bewährt hat sich:

  1. Strukturierte PEI-Platte oder eine Platte speziell für technische Materialien
  2. Dünner Film Klebestift als Haftvermittler und Trennschicht. Er sorgt für Halt und schützt die Oberfläche.
  3. Brim mit 5 bis 10 mm Breite bei allem, was größer als ein paar Zentimeter ist
  4. Erste Schicht langsam und gut angedrückt

Typische Probleme

ProblemHäufige UrsacheLösung
Knistern, Blasen, raue Oberflächefeuchtes Filamentlänger und heißer trocknen, aus der Trockenbox drucken
Ecken lösen sichKammer zu kalt, schlechte HaftungKammer vorheizen, Klebestift, Brim
Risse zwischen Schichtenzu viel Kühlung, ZugluftLüfter reduzieren, Drucker geschlossen halten
Starkes StringingFeuchtigkeit, zu heißerst trocknen, dann Temperatur in 5-Grad-Schritten senken
Düse verschleißt schnellfaserverstärktes PA mit Messingdüsegehärtete Düse verwenden
Teil zu weich oder maßlich verändertWasseraufnahme nach dem DruckPA12 oder PA-CF wählen, wenn Maßhaltigkeit wichtig ist

Wofür Nylon sinnvoll ist

Nylon lohnt sich, wenn ein Teil zäh, verschleißfest und wärmebeständig sein soll: Zahnräder, Lager, Scharniere, Clips, Werkzeughalter. Für Deko oder einfache Halterungen ist der Aufwand meist zu groß. Dort reichen PETG oder ABS.

Weiter mit: Polycarbonat (PC) drucken.