Glas, Stein und Schiefer lasern: Gravieren ohne Risse und Frust

Materialien6 Min. LesezeitStand: 10/2026

erklären wir kurz, wenn du darauf zeigst oder tippst.

Glas, Stein und Keramik lassen sich nicht schneiden, aber sehr schön gravieren. Der Laser schmilzt oder sprengt dabei winzige Teile der Oberfläche ab, es entsteht ein matter, heller Kontrast. Ob das klappt, hängt stark vom Lasertyp ab: Was mit CO₂ fast immer funktioniert, braucht beim Diodenlaser oft einen Trick.

Die Übersicht

MaterialCO₂DiodeErgebnis
Klarglasgutnur mit Beschichtungmatt, milchig weiß
Dunkles oder farbiges Glasgutteilweise, testenmatt
Spiegel (Rückseite)gutgutSpiegelschicht wird abgetragen
Schiefersehr gutsehr guthellgrau auf dunkel
Granit, dunkel poliertgutguthell auf dunkel
Granit, helleingeschränkteingeschränktwenig Kontrast
Marmorgutmöglichhell, je nach Stein
Fliesen, glasiertgutje nach Farbe, oft mit BeschichtungGlasur wird matt oder abgetragen

Glas

Mit CO₂-Laser: Glas nimmt die Wellenlänge von 10.600 nm gut auf. Die Oberfläche erhitzt sich schlagartig, und winzige Splitter platzen ab. Das ergibt den typischen mattierten Look wie bei Sandstrahlung. Tiefe Gravuren sind nicht das Ziel, die Wirkung kommt allein von der rauen Oberfläche.

Das Hauptproblem ist Hitze. Zu viel Energie an einer Stelle führt zu Rissen, Ausbrüchen und einer grobkörnigen Gravur. Epilog empfiehlt in seinen Glas-Tipps zwei einfache Hilfen:

  • Feuchtes Papier: Lege ein angefeuchtetes Stück Zeitungspapier oder Küchenpapier glatt auf die Gravurfläche. Es kühlt und verteilt die Hitze, die Gravur wird gleichmäßiger.
  • Spülmittel: Eine dünne Schicht normales Spülmittel hält die Oberfläche feucht. Bei längeren Jobs trocknet sie und muss erneuert werden.

Dazu kommen ein paar weitere Regeln: Leistung eher niedrig halten, lieber eine passende Auflösung als maximale Auflösung wählen und flächige Motive mit Rastermuster (Dithering) statt voller Fläche gravieren. Wichtig ist auch, die Einstellung beim ersten Versuch zu treffen. Wer einen Job auf Glas mehrfach wiederholt, bekommt laut Epilog eine immer unschärfere Gravur. Teste deshalb an einem Reststück aus demselben Glas.

Mit Diodenlaser: Klares Glas lässt das blaue Licht um 450 nm fast vollständig durch. Ohne Hilfe passiert nichts. Der übliche Weg ist eine dunkle Beschichtung: schwarze Temperafarbe, dünner matter Sprühlack oder ein Laser-Markierspray. Die Schicht nimmt die Energie auf, erhitzt die Glasoberfläche und erzeugt dort feine Risse. Danach wäschst du die Farbe ab. Das Ergebnis ist meist schwächer und ungleichmäßiger als mit CO₂, aber für Einzelstücke brauchbar. Dunkles und farbiges Glas funktioniert teils auch ohne Beschichtung, das musst du testen.

Für runde Gläser und Flaschen brauchst du eine Drehvorrichtung. Für Innengravuren in Kristallglas gibt es eigene UV-Lasergeräte, etwa den xTool F2 Ultra UV.

Spiegel

Bei Spiegeln gravierst du die Rückseite. Dort liegt eine Schutzlackierung über der Spiegelschicht. Der Laser trägt Lack und Spiegelschicht ab, und von vorn siehst du das Motiv durch das Glas. Spiegle das Motiv vorher, sonst ist Schrift seitenverkehrt.

Beginne mit niedriger Leistung und steigere dich, denn die Schichtdicke unterscheidet sich je nach Hersteller. Das geht mit Diode wie mit CO₂ gut, weil die dunkle Rückseitenlackierung das Licht aufnimmt. Die Vorderseite eines Spiegels ist für Diodenlaser dagegen ungeeignet.

Schiefer

Schiefer ist eines der dankbarsten Materialien überhaupt. Der Laser hellt die dunkle Oberfläche auf, es entsteht ein hellgrauer, sehr gut lesbarer Kontrast. Dafür braucht es wenig Energie. Trotec nennt als Referenz für einen 100-W-CO₂-Laser nur 20 % Leistung bei voller Geschwindigkeit und 500 dpi.

Natürlicher Schiefer ist uneben und spaltet sich in Lagen. Entstaube die Oberfläche vor dem Lasern und richte den Fokus auf die mittlere Höhe aus. Nach dem Gravieren wischst du den Staub ab. Ein paar Tropfen Speiseöl auf der Fläche dunkeln den Schiefer nach und erhöhen den Kontrast. Untersetzer und Schilder aus Schiefer gibt es als fertige Rohlinge.

Granit und Marmor

Dunkler, polierter Granit gibt helle, feine Gravuren. Heller Granit graviert sich laut Trotec nur eingeschränkt. Für mehr Kontrast füllst du die Gravur nach dem Lasern mit Acrylfarbe und wischst den Überstand ab.

Marmor graviert sich ebenfalls hell. Trotec gibt dafür deutlich mehr Energie an als für Schiefer, mit 50 % Leistung bei 20 % Tempo auf demselben 100-W-Gerät. Trotec empfiehlt außerdem, den Fokusabstand testweise um etwa 1 mm nach oben und nach unten zu verschieben, weil sehr harte Steine mit leicht verändertem Fokus oft besser werden.

Keramik und Fliesen

Glasierte Fliesen und Tassen reagieren je nach Glasur sehr unterschiedlich. Ein CO₂-Laser mattiert oder entfernt die Glasur. Bei Diodenlasern hängt viel von der Farbe ab: Dunkle Glasuren nehmen das blaue Licht eher auf, weiße und helle kaum. Für helle Fliesen nutzen viele eine Beschichtung aus Markierspray oder Farbe, ähnlich wie bei Glas. Verlass dich nicht auf Spülmaschinenfestigkeit, solange du sie nicht selbst getestet hast.

Startwerte

Grobe Orientierung für dein erstes Testraster. Stein und Glas unterscheiden sich von Stück zu Stück.

Material10 bis 20 W Diode40 W Diode40 bis 55 W CO₂
Schiefer30 bis 60 %, 100 bis 300 mm/s20 bis 40 %, 200 bis 400 mm/s15 bis 30 %, 300 bis 500 mm/s
Granit, dunkel60 bis 100 %, 80 bis 200 mm/s50 bis 80 %, 150 bis 300 mm/s40 bis 70 %, 150 bis 300 mm/s
Glas, beschichtet60 bis 100 %, 80 bis 200 mm/s50 bis 80 %, 150 bis 300 mm/snicht nötig
Glas, unbeschichtetnicht geeignetnicht geeignet15 bis 30 %, 200 bis 400 mm/s

Trotec nennt als Kalibrierstart für Stein unter 60 W Laserleistung etwa 100 % Leistung bei 15 % Tempo und testet von dort aus nach unten. Wie du ein Raster aufbaust, steht in Materialtest.

Sicherheit

Glas kann beim Gravieren springen, und kleine Splitter fliegen. Fasse frisch gravierte Stücke vorsichtig an. Beim Lasern von Stein und Keramik entsteht feiner Staub. Sauge ihn ab, statt ihn wegzupusten. Bei offenen Diodenlasern spiegelt glattes Glas einen Teil des Strahls zurück. Trage immer eine Schutzbrille, die für die Wellenlänge deines Lasers ausgelegt ist. Mehr in Laser-Sicherheit.

Weiter mit: Materialtest und Gravieren, Schneiden, Markieren.