Acryl lasern: Gegossen oder extrudiert, Diode oder CO₂?

Materialien5 Min. LesezeitStand: 10/2026

erklären wir kurz, wenn du darauf zeigst oder tippst.

Acryl (PMMA) ist neben Holz das wichtigste Material für Laser. Mit einem CO₂-Laser bekommst du glänzende Schnittkanten und weiße Gravuren. Mit einem Diodenlaser geht deutlich weniger, und die Farbe der Platte entscheidet, ob überhaupt etwas passiert.

Gegossen (GS) und extrudiert (XT)

Acryl gibt es in zwei Herstellungsarten. Gegossenes Acryl (GS) wird zwischen Platten gegossen, extrudiertes (XT) durch eine Düse gepresst. Für den Laser macht das einen echten Unterschied.

Gegossen (GS)Extrudiert (XT)
Gravurhell, frostig weiß, hoher Kontrastmatt grau bis fast klar, wenig Kontrast
Schnittkantesauber und gratfrei, aber weniger glänzendflammpoliert, also glatt und glänzend
Dickentoleranzetwa ±15 %etwa ±5 %
Leistungsbedarfhöhergeringer, schneller zu schneiden
Preishöhergünstiger

Die Werte zu Toleranz und Kantenbild stammen aus den Materialhinweisen von Trotec und Epilog. Daraus folgt eine einfache Faustregel: GS zum Gravieren, XT zum Schneiden. Für Schilder mit weißer Schrift nimmst du GS. Für Teile mit Steckverbindungen ist XT wegen der engeren Dickentoleranz oft praktischer.

Die Herstellungsart steht meist auf der Schutzfolie oder im Datenblatt. Wenn du es nicht weißt, graviere ein kleines Testfeld: frostig weiß spricht für GS, klar oder grau für XT.

Farbe und Diodenlaser

Ein Diodenlaser arbeitet mit blauem Licht um 450 nm. Klares Acryl lässt dieses Licht fast ungehindert durch, es wird nicht absorbiert und kann nichts erhitzen. Der Strahl wird außerdem gebrochen und bildet keinen sauberen Fokuspunkt. Blaues Acryl lässt blaues Licht ebenfalls durch. xTool schreibt in seinem Support ausdrücklich, dass sich klares, weißes und blaues Acryl mit der blauen Diode nicht schneiden lässt.

Gut funktionieren dagegen dunkle, deckende Platten:

AcrylDiodenlaserCO₂-Laser
schwarz, deckendgut, gravieren und schneidengut
dunkle Farben, deckendmeist gut, testengut
weiß, deckendschlechtgut
rot, gelb, grün, deckendsehr unterschiedlich, testengut
blaunicht geeignetgut
klar oder transparent getöntnicht geeignetgut

Die Schneidleistung geben Hersteller deshalb fast immer für schwarzes Acryl an. Zwei Beispiele aus der Geräteübersicht: der Creality Falcon2 22W mit bis 10 mm schwarzem Acryl, der xTool S1 40W mit bis 15 mm, jeweils in einem Durchgang. Wenn du regelmäßig klares Acryl schneiden willst, führt an einem CO₂-Laser kein Weg vorbei. Warum das so ist, erklärt Lasertypen im Vergleich.

Schneiden mit CO₂

Ein CO₂-Laser arbeitet bei 10.600 nm. Diese Wellenlänge nimmt Acryl in jeder Farbe gut auf, auch klar. Der xTool P2S mit 55 W schneidet laut Hersteller bis 20 mm klares Acryl in einem Durchgang.

Damit die Kante schön glänzt, kommt es auf ein paar Punkte an:

  • Wenig Luft: Zu viel Air Assist kühlt die Kante zu schnell ab, sie wird milchig. Trotec empfiehlt für Acryl möglichst 0,2 bar oder weniger. Beim Schneiden brauchst du trotzdem etwas Luft, damit keine Flammen entstehen.
  • Nicht zu langsam: Sehr niedriges Tempo macht die Schnittfuge breit und erhöht die Brandgefahr.
  • Frequenz: Wenn dein Gerät eine Pulsfrequenz einstellen lässt, nennt Trotec für GS etwa 5.000 bis 20.000 Hz und für XT bis 5.000 Hz. Bei vielen Hobby-CO₂-Lasern mit Glasröhre gibt es diese Einstellung nicht.
  • Auflage: Ab etwa 6 mm Stärke ist ein Lamellentisch besser als ein Wabenbett, weil Reflexionen von unten die Kante sonst anrauen.
  • Schutzfolie: Lass sie beim Schneiden drauf, sie schützt die Oberfläche vor Rauchablagerungen. Ziehe sie danach ab.

Als grobe Faustregel nennt Trotec etwa 10 W Laserleistung pro Millimeter Materialstärke. Ein 40-W-Laser schafft damit rund 4 mm in gutem Tempo, dickere Platten gehen langsamer oder in mehreren Durchgängen.

Gravieren

Für Gravuren reicht wenig Energie. Eine leichte Oberflächengravur auf GS gibt den besten Kontrast, zu viel Leistung macht die Gravur grau und rau. Ziehe für Gravuren die Schutzfolie ab.

Ein bewährter Trick bei klarem Acryl ist die Gravur von hinten: Du spiegelst das Motiv und gravierst die Rückseite. Von vorn betrachtet liegt die Gravur dann geschützt hinter der Platte und wirkt tiefer. Für beleuchtete Schilder mit LED-Sockel ist das der Standard.

Mit einem Diodenlaser gravierst du nur deckende, dunkle Platten. Dabei wird die Farbschicht abgetragen, und es entsteht ein heller, leicht matter Kontrast.

Startwerte

Grobe Startwerte für 3 mm Acryl. Sie sind Orientierung für dein Testraster, keine fertigen Einstellungen.

Aufgabe10 W Diode, schwarz20 W Diode, schwarz40 W Diode, schwarz40 bis 55 W CO₂, alle Farben
Gravur30 bis 50 %, 100 bis 200 mm/s30 bis 50 %, 200 bis 400 mm/s40 bis 60 %, 300 bis 500 mm/s15 bis 35 %, 300 bis 500 mm/s
Schnitt 3 mm100 %, 2 bis 4 mm/s, 2 Durchgänge100 %, 4 bis 8 mm/s, 1 bis 2 Durchgänge90 bis 100 %, 10 bis 25 mm/s, 1 bis 2 Durchgänge60 bis 85 %, 10 bis 25 mm/s, 1 Durchgang

Zum Vergleich: xTool nennt für 3 mm schwarzes Acryl auf dem 10-W-Gerät M1 als Referenz 100 % Leistung, 3 mm/s und zwei Durchgänge. Wie du die Spannen in ein Testraster übersetzt, erklärt Materialtest.

Sicherheit

Acryl brennt gut und mit kaum sichtbarer Flamme. Beim Schneiden kann eine kleine Flamme an der Kante entstehen und sich halten. Lass den Laser nie allein laufen und halte einen Feuerlöscher bereit. Der Rauch riecht stechend, eine Absaugung nach draußen ist nötig.

Achte darauf, dass du wirklich Acryl hast. Polycarbonat sieht sehr ähnlich aus, schneidet sich aber schlecht, verfärbt sich gelb bis braun und gibt kritischen Rauch ab. Auch PVC-Platten können auf den ersten Blick wie Acryl wirken. Was du nicht sicher zuordnen kannst, kommt nicht in den Laser. Mehr dazu in Tabu-Materialien.

Weiter mit: Lasertypen im Vergleich und Materialtest.