Leder lasern: Echtleder, Kunstleder und sichere Startwerte

Materialien5 Min. LesezeitStand: 10/2026

erklären wir kurz, wenn du darauf zeigst oder tippst.

Leder lässt sich mit fast jedem Laser gravieren und in dünnen Stärken auch schneiden. Die Gravur ist dunkel, scharf und fühlbar, ideal für Anhänger, Patches und Geldbörsen. Entscheidend ist aber, welches Leder du hast. Bei manchen Ledern und vielen Kunstledern entstehen giftige Gase.

Echtes Leder: die Gerbung zählt

Rohhaut wird durch Gerben haltbar gemacht. Für den Laser sind zwei Verfahren wichtig.

Pflanzlich gegerbtChromgegerbt
GerbstoffPflanzengerbstoffe aus Rinde, Holz, BlätternChromsalze
Gravurdunkelbraun, hoher Kontrastoft grau und blass
RauchLaserrauch wie bei Holz, Absaugung nötigChromverbindungen im Rauch
Eignungsehr gut, Standard für Lasergravurnicht empfohlen

Pflanzlich gegerbtes Leder ist das Material der Wahl. Es ist fest, nimmt Gravuren mit sattem Kontrast an und lässt sich auch nachträglich färben und prägen. Fachhändler nennen es oft Blankleder, Sattlerleder oder “vegetable tanned”.

Chromgegerbtes Leder steckt in den meisten Kleidungsstücken, Taschen und Polstermöbeln. Trotec führt “Leder und Kunstleder mit Chrom(VI)” ausdrücklich in seiner Liste ungeeigneter Materialien. Neben den gesundheitlichen Fragen setzen sich die Rückstände auf Linse und Spiegeln ab, und die Gravur sieht meist enttäuschend aus. Lass es weg.

Woran erkennst du die Gerbung? Am sichersten über die Angabe des Händlers. Ein Hinweis ist die Schnittkante: Pflanzlich gegerbtes Leder ist an der Kante meist gleichmäßig braun, chromgegerbtes oft hellgrau bis bläulich. Wenn du es nicht sicher weißt, laser es nicht.

Kunstleder: PU ja, PVC nie

Kunstleder ist Kunststoff auf einem Trägergewebe. Welcher Kunststoff, ist der entscheidende Punkt.

  • PU (Polyurethan): lässt sich lasern, wenn es sicher PVC-frei ist. Es entsteht mehr Rauch als bei Echtleder, und die Kanten schmelzen leicht. Gute Absaugung ist Pflicht.
  • PVC (Polyvinylchlorid): absolut tabu. Beim Lasern entsteht Salzsäuregas (Chlorwasserstoff). Das greift deine Atemwege an und zerfrisst Metallteile, Führungen und Elektronik im Laser.

Das Problem: Viele Produkte heißen einfach “Kunstleder”, “Lederimitat” oder “vegan leather”, ohne den Kunststoff zu nennen. Kaufe nur Material mit klarer Angabe “PU” und “PVC-frei” oder frage beim Händler nach dem Datenblatt. Auch Kunstleder mit PU-Oberfläche kann einen PVC-haltigen Träger oder Kleber haben. Im Zweifel gilt: nicht lasern. Weitere kritische Materialien stehen in Tabu-Materialien.

Gravieren und Schneiden

Leder ist empfindlicher als Holz. Zu viel Energie verkohlt die Oberfläche, lässt das Leder schrumpfen und macht die Kanten hart.

  • Gravieren: Wenig Leistung und hohes Tempo genügen. Eine Gravur, die die Oberfläche nur dunkel färbt, sieht meist besser aus als eine tiefe. Für feine Details reicht ein Linienabstand von 0,1 mm.
  • Schneiden: Dünnes Leder bis etwa 2 mm schaffen auch Diodenlaser, oft in mehreren Durchgängen. Dickeres Sattlerleder ist eine Aufgabe für CO₂ oder bleibt beim Messer.
  • Abdecken: Transferfolie oder Malerkrepp auf der Oberfläche fängt Rauch ab und hält die Fläche neben der Gravur sauber. Teste vorher, ob der Kleber Rückstände hinterlässt.
  • Flach fixieren: Leder wellt sich. Mit Magneten oder Nadeln auf dem Wabenbett bleibt der Fokus überall gleich.
  • Air Assist: Wenig bis mittlere Luft verhindert Flammen beim Schneiden, ohne das Leder hochzublasen.

Geruch

Gelasertes Leder riecht stark nach verbranntem Horn oder Haar. Der Geruch hängt in der Werkstatt und bleibt auch am Werkstück. Eine Absaugung, die direkt nach draußen führt, ist daher keine Komfortfrage. In der Wohnung ohne Abluft solltest du Leder nicht lasern. Welche Lösungen es gibt, erklärt Laser-Absaugung.

Am Werkstück hilft es, die Gravur nach dem Lasern mit einem leicht feuchten Tuch abzuwischen und das Teil ein bis zwei Tage offen auslüften zu lassen. Lederpflege nach dem Lüften frischt die Oberfläche auf und überdeckt Restgeruch.

Startwerte

Die Spannen gelten für pflanzlich gegerbtes Leder um 2 mm Stärke. Sie sind grobe Orientierung für dein erstes Testraster. Leder schwankt je nach Gerbung, Fettgehalt und Färbung stark, auch zwischen zwei Häuten vom selben Händler.

Aufgabe10 W Diode20 W Diode40 W Diode40 bis 55 W CO₂
Gravur15 bis 30 %, 150 bis 300 mm/s15 bis 30 %, 250 bis 400 mm/s10 bis 25 %, 300 bis 500 mm/s10 bis 25 %, 300 bis 500 mm/s
Schnitt 2 mm100 %, 3 bis 6 mm/s, 2 bis 3 Durchgänge100 %, 5 bis 10 mm/s, 1 bis 2 Durchgänge80 bis 100 %, 10 bis 20 mm/s, 1 Durchgang40 bis 60 %, 15 bis 25 mm/s, 1 Durchgang

PU-Kunstleder braucht meist weniger Leistung als Echtleder und schmilzt bei zu viel Energie. Beginne dort am unteren Ende der Spanne. Wie du ein Raster aus Leistung und Tempo aufbaust, steht in Materialtest.

Sicherheit

Leder brennt, besonders dünnes und trockenes. Beim Schneiden entstehen kleine Flammen, die ohne Air Assist weiterbrennen können. Lass den Laser nie unbeaufsichtigt und halte einen Feuerlöscher bereit. Bei einem offenen Diodenlaser trägst du eine Schutzbrille, die für die Wellenlänge deines Lasers ausgelegt ist.

Weiter mit: Tabu-Materialien und Laser-Absaugung.