Fokus pro Durchgang absenken: dicke Platten sauber durchschneiden
erklären wir kurz, wenn du darauf zeigst oder tippst.
Wenn du eine dicke Platte in mehreren Durchgängen schneidest, frisst sich der Laser mit jedem Durchgang tiefer ins Material. Der Brennpunkt bleibt aber dort, wo du ihn am Anfang eingestellt hast. Mit einer motorisierten Z-Achse kannst du den Fokus nachführen: in xTool Studio heißt das Fokusabstieg, in LightBurn Z Offset und Z Step per Pass. Diese Anleitung zeigt, was die Funktionen laut Dokumentation tun, welche Geräte sie können und wie du sicher einsteigst.
Warum der Fokus nach dem ersten Durchgang nicht mehr sitzt
Der Laserstrahl ist im Brennpunkt am schmalsten und weitet sich davor und dahinter wieder auf, wie eine Sanduhr. Die Grundlagen dazu stehen im Artikel Laser-Fokus.
Nach dem ersten Durchgang liegt die Stelle, an der weitergeschnitten wird, nicht mehr an der Oberfläche, sondern am Grund des Schnittspalts. Dort ist der Strahl schon breiter, die Energie verteilt sich auf eine größere Fläche, und jeder weitere Durchgang bringt weniger Tiefe. Die LightBurn-Dokumentation beschreibt genau diesen Zweck: Mit Z Step per Pass verschiebst du den Brennpunkt bei jedem Durchgang tiefer, damit das Schneiden effizient bleibt.
Wichtig: Absenken ersetzt keine passenden Grundwerte. xTool schreibt ausdrücklich, dass das Absenken keine Lösung für misslungene Schnitte ist. Erst müssen Leistung, Geschwindigkeit und Durchgänge stimmen, siehe Laser-Parameter und Materialtest.
Voraussetzung: motorisierte Z-Achse
Der Fokus lässt sich nur dann per Software absenken, wenn das Gerät den Laserkopf oder die Auflage selbst in der Höhe bewegen kann. Bei Geräten mit Autofokus ist das meist der Fall, bei offenen Diodenlasern mit fest geschraubtem Modul nicht.
| Gerät (Beispiel) | Schneidangabe laut Hersteller | Fokus absenken per Software |
|---|---|---|
| xTool S1 40W, Diode 40 W | bis 15 mm Lindensperrholz in einem Durchgang | ja, Fokusabstieg 1 bis 6 mm laut xTool-Hilfe |
| xTool P2S, CO₂ 55 W | bis 18 mm Massivholz, Sperrholz bis 12 mm empfohlen | laut xTool-Hilfe für alle Modelle außer D-Serie, F1 und F1 Ultra; beim Vorgänger P2 1 bis 2 mm |
| xTool F2 Ultra, Diode 40 W | bis 23 mm Holz in mehreren Durchgängen | xTool empfiehlt bei Schnittproblemen Fokusabstieg |
| Acmer P2 33W, offen | bis 30 mm Sperrholz, Durchgänge nicht genannt | nein, Fokus von Hand |
Ohne Z-Achse bleibt dir nur der Weg von Hand: Fokus auf die Oberfläche einstellen, Modul um einen festen Wert absenken und alle Durchgänge mit diesem Wert schneiden. Ein Nachführen zwischen den Durchgängen würde bedeuten, den Job anzuhalten und am Modul zu schrauben. Dabei verrutscht leicht etwas, deshalb ist das keine gute Idee.
Fokusabstieg in xTool Studio
In xTool Studio (früher XCS) findest du die Funktion in den erweiterten Einstellungen eines Elements. Sie gilt nur für Vektoren im Modus Schneiden, nicht für Gravuren. Du schaltest den Fokusabstieg ein und gibst an, um wie viele Millimeter der Fokus abgesenkt wird.
Was die offizielle xTool-Hilfe dazu belegt:
- Einstellbereich: beim xTool S1 Standard 3 mm, Bereich 1 bis 6 mm. Beim P2, Laserbox Rotary und M1 jeweils Standard 1 mm, Bereich 1 bis 2 mm.
- Startwert: Laut xTool-Labor verbessert ein Absenken um 3 mm beim S1 den Schnitt in den meisten Fällen. Beispiel aus der Hilfe für den P2: 12 mm Lindensperrholz mit 2 mm Absenken.
- Grenze: Der Absenkbetrag darf nicht größer sein als die Materialstärke, sonst kollidiert der Laserkopf mit dem Material.
- Wovon der beste Wert abhängt: Materialstärke und Art, Leistung des Lasermoduls, Brennweite der Linse und Größe des Laserpunkts.
Einzelstufenabstieg und Schrittweises Absenken
Neuere Versionen von xTool Studio bieten zwei Modi: Einzelstufenabstieg und Schrittweises Absenken. In den Versionshinweisen zu xTool Studio Desktop 1.3.6 steht nur, dass der Fokusabstieg jetzt schrittweises Absenken unterstützt und das die Schneidleistung deutlich verbessern kann. Eine offizielle Hilfeseite, die beide Modi im Detail erklärt, haben wir nicht gefunden (Stand 10/2026).
Nach dem Namen und nach einem Projektbeispiel aus der xTool-Community auf Atomm funktionieren sie so:
- Einzelstufenabstieg: Der Fokus wird einmal um den eingestellten Wert abgesenkt und bleibt für alle Durchgänge dort.
- Schrittweises Absenken: Es gibt einen Anfangswert, einen Schrittbetrag und ein Intervall in Durchgängen. Im Community-Beispiel: Start 2 mm, alle 2 Durchgänge 1 mm tiefer.
Das ist keine Herstellerdoku. Prüfe das Verhalten an deinem Gerät mit einem Testschnitt auf Reststück, bevor du dich darauf verlässt. Auch der Höchstwert hängt vom Gerät ab.
Z Offset und Z Step per Pass in LightBurn
In LightBurn stehen beide Werte im Cut Settings Editor der Ebene:
- Z Offset verschiebt den Kopf für die Ebene einmalig. Laut Doku fahren positive Werte die Z-Achse nach innen, also näher ans Material, negative nach außen. Ein tieferer Fokus kann beim Schneiden dicker Materialien helfen.
- Z Step per Pass hebt oder senkt den Laser bei jedem Durchgang um denselben Betrag. Das wirkt nur, wenn die Ebene mehr als einen Durchgang hat.
Ein Vorzeichen für Z Step per Pass nennt die Doku nicht ausdrücklich. Prüfe die Richtung deshalb immer mit einem Trockenlauf bei ausgeschaltetem oder sehr schwachem Laser.
Damit das überhaupt funktioniert, muss in den Geräteeinstellungen Enable Z Axis aktiv sein, und dein Controller muss Z-Bewegungen unterstützen. Die Doku warnt: Mit aktivierter Z-Achse brauchst du entweder Relative Z moves only oder eine korrekt eingetragene Materialhöhe. Sonst kann die Standardhöhe von 0 den Kopf ins Werkstück fahren. Bewegt sich die Achse falsch herum, gibt es den Schalter Reverse Z direction.
Bei Geräten mit Autofokus gibt es eine Einschränkung: Viele Systeme behandeln die Autofokus-Höhe als tiefste erlaubte Position. Dann kannst du den Fokus in LightBurn eventuell gar nicht tiefer legen. Beim xTool S1 unterstützt LightBurn laut Datenblatt nur Grundfunktionen. Ob Z-Befehle bei deinem Gerät ankommen, zeigt nur ein Test.
Wie viel absenken? Startwerte zum Testen
Belegt sind nur die xTool-Werte oben. Alles weitere in dieser Tabelle ist ein Ausgangswert für deinen eigenen Test, keine Herstellerangabe.
| Situation | Ausgangswert zum Testen |
|---|---|
| ein Durchgang, Material über 3 mm | einmalig absenken, etwa bis Materialmitte, höchstens Geräte-Maximum |
| mehrere Durchgänge, schrittweise | Schritt pro Durchgang = halbe Materialstärke geteilt durch Anzahl Durchgänge |
| Beispiel 6 mm Sperrholz, 3 Durchgänge | 1 mm pro Durchgang, am Ende 3 mm unter der Oberfläche |
| Gerät mit kleinem Bereich (1 bis 2 mm) | Maximalwert einmalig, Rest über Durchgänge und Geschwindigkeit |
Die Faustregel Materialmitte stammt aus dem Artikel Laser-Fokus. xTool nennt für das Absenken einen Einsatz ab etwa 3 mm Materialstärke.
So testest du sauber:
- Kleines Quadrat, zum Beispiel 20 x 20 mm, auf ein Reststück legen.
- Gleiche Leistung, Geschwindigkeit und Durchgänge, nur der Absenkwert ändert sich.
- Drei Varianten schneiden: ohne Absenken, mit kleinem Wert, mit größerem Wert.
- Die Unterseite vergleichen: Ist das Teil durch? Wie breit und wie schräg ist die Kante?
- Den besten Wert mit Material, Stärke und Gerät notieren.
Zusammenspiel mit Durchgängen, Air Assist und Linse
- Durchgänge: Absenken bringt nur etwas, wenn der Schnitt nach jedem Durchgang tatsächlich tiefer wird. Wenn der erste Durchgang kaum Tiefe schafft, hilft zuerst eine langsamere Geschwindigkeit. Werkstück zwischen den Durchgängen nie bewegen.
- Air Assist: Im tiefen Schnittspalt bleibt sonst Rauch stehen und schluckt Energie. Ein guter Luftstrom ist bei dicken Platten fast Pflicht, siehe Air Assist.
- Linsenwahl: Bei CO₂-Lasern hat eine Linse mit längerer Brennweite eine größere Schärfentiefe. Der Strahl bleibt über mehr Millimeter schmal, das Absenken ist dann weniger kritisch. Kurze Brennweiten mit kleinem Punkt profitieren stärker vom Nachführen.
- Material: Bei Holz schwanken Leimschichten und Dichte. Bei Acryl hängt das Ergebnis stark von Sorte und Laserart ab. Werte deshalb immer pro Materialsorte testen.
Risiken und typische Fehler
- Kopf zu tief: Ist der Absenkbetrag größer als die Materialstärke, fährt der Kopf ins Material. xTool und LightBurn warnen beide vor Kollisionen und Schäden am Gerät.
- Falsches Vorzeichen: In LightBurn hebt der Kopf ab statt abzusenken, oder umgekehrt. Immer erst einen Trockenlauf machen.
- Fokus unter dem Material: Wer bei vielen Durchgängen einen großen Schritt einstellt, landet mit dem Brennpunkt irgendwann unter der Platte. Rechne aus: Schritt mal Durchgänge darf die Materialstärke nicht überschreiten.
- Unebenes Material: Eine gewölbte Platte liegt an manchen Stellen höher. Dort ist der Abstand zum Kopf kleiner, das Kollisionsrisiko steigt. Platte flach fixieren.
- Autofokus falsch gemessen: Misst der Sensor auf einer Kante oder einer spiegelnden Stelle, stimmt der Ausgangspunkt nicht. Das Absenken baut dann auf einem falschen Wert auf.
- Absenken als Allheilmittel: Bei verschmutzter Linse oder zu schwachem Laser hilft es nicht. Weitere Ursachen stehen unter Schneidet nicht durch.
Kurz zusammengefasst
- Bei mehreren Durchgängen liegt der Schnittgrund tiefer als der Brennpunkt. Nachführen hält den Punkt klein.
- Nur mit motorisierter Z-Achse oder Autofokus-Modul möglich. Offene Geräte ohne Z-Achse fokussierst du einmal von Hand.
- xTool S1: 1 bis 6 mm, Standard 3 mm. P2 und M1: 1 bis 2 mm. Nie mehr als die Materialstärke.
- LightBurn: Enable Z Axis, Relative Z moves only oder Materialhöhe, Richtung im Trockenlauf prüfen.
- Schrittweite als Test starten mit halber Materialstärke geteilt durch Durchgänge, dann am Reststück anpassen.
- Air Assist an, Werkstück fixieren, Wert notieren.
Quellen (8)
- xTool Support: How to Set Lower the Focus
- xTool Support: How to Lower the Focus for xTool S1
- xTool Support: xTool S1 Focus Lowering
- xTool Support: xTool Studio Desktop V1.3.6 Release Notes
- xTool Support: Materials not cutting through (F2 Ultra)
- Atomm Community (nicht offiziell): Cutting 20 mm Wood with the M1 Ultra
- LightBurn-Dokumentation: Cut Settings Editor, Line Mode
- LightBurn-Dokumentation: Device Settings, Dimensions and Units