Laser-Fokus einstellen: Brennweite, Fokuspunkt und Schneiden

Einstellungen5 Min. LesezeitStand: 10/2026

erklären wir kurz, wenn du darauf zeigst oder tippst.

Ein Laser bündelt sein Licht über eine Linse auf einen kleinen Punkt. Nur dort ist die Energie hoch genug, um sauber zu gravieren oder zu schneiden. Liegt das Material zu hoch oder zu tief, wird der Punkt größer, die Gravur blasser und der Schnitt breiter. Ein falscher Fokus ist deshalb oft der Grund, wenn Werte aus einer Tabelle bei dir nicht funktionieren.

Fokus daneben: Punkt breit Brennpunkt Material zu tief Material zu hoch Ziel: Fokus auf der Oberfläche Brennpunkt kleiner Punkt, volle Energie
Schematische Darstellung. Links liegt das Material zu tief oder zu hoch, der Strahl trifft außerhalb des Brennpunkts auf und der Laserpunkt wird breit. Rechts liegt der Brennpunkt genau auf der Oberfläche.

Fokuspunkt und Brennweite

Die Brennweite ist der Abstand von der Linse bis zu dem Punkt, an dem der Strahl am engsten ist. Dieser Punkt heißt Fokuspunkt. Davor und dahinter weitet sich der Strahl wieder auf, wie eine Sanduhr.

Der Bereich um den Fokuspunkt, in dem der Strahl noch annähernd so schmal ist, heißt Schärfentiefe. Je kürzer die Brennweite, desto kleiner der Punkt, aber desto kleiner auch die Schärfentiefe. Bei CO₂-Lasern sieht man das gut an den üblichen Linsen:

Linse (CO₂)LaserpunktSchärfentiefetypischer Einsatz
1,5 Zollsehr kleingeringfeine Gravur, Fotos, kleine Schrift
2 ZollkleinmittelAllrounder für Gravieren und Schneiden
2,5 Zolletwas größergrößerSchneiden mittlerer Stärken
4 Zollgroßgroßdicke oder unebene Materialien über 10 mm

Die Einordnung folgt dem Linsenleitfaden des CO₂-Herstellers Thunder Laser. Diodenlaser haben fest verbaute Optiken. Hier gibt der Hersteller den richtigen Arbeitsabstand vor, meist über ein Distanzstück oder eine Fokuslehre.

Manuell fokussieren

Bei vielen offenen Diodenlasern stellst du den Fokus von Hand ein:

  1. Material auflegen und flach ausrichten. Verzogenes Holz mit Gewichten oder Magneten an den Rändern fixieren.
  2. Das mitgelieferte Distanzstück oder die Fokuslehre zwischen Lasermodul und Materialoberfläche halten.
  3. Modul lösen, absenken, bis es auf der Lehre aufliegt, und wieder festziehen.
  4. Lehre entfernen. Danach nicht mehr am Modul drücken.

Bei CO₂-Geräten gibt es oft einen Fokusstab oder ein Acrylklötzchen, mit dem du die Höhe des Tischs oder Kopfs einstellst.

Wenn du unsicher bist, ob der Fokus stimmt, hilft ein Rampentest: Lege ein Reststück schräg auf, sodass es an einem Ende einige Millimeter höher liegt. Lasere eine gerade Linie über die ganze Länge. An der dünnsten Stelle der Linie liegt der Fokus. Miss dort den Abstand zwischen Düse oder Modul und Material und nutze ihn künftig als Referenz.

Automatischer Fokus

Viele neuere Geräte messen den Abstand selbst, etwa mit einem Taster, einer Kamera oder einem Abstandssensor. Der Creality Falcon A1 Pro nutzt laut Hersteller Kamera und Laser-Entfernungsmessung, der xTool P2S einen LiDAR-Sensor. Das spart Zeit und verhindert Fehler bei wechselnden Materialstärken.

Ein Autofokus misst aber nur eine Stelle oder wenige Punkte. Bei gewölbten Werkstücken, Kanten oder sehr dunklen und spiegelnden Oberflächen kann er danebenliegen. Prüfe das Ergebnis bei neuen Materialien mit einem kurzen Testlauf. Offene Geräte ohne Z-Achse wie der Acmer P2 werden manuell fokussiert.

Fokus beim Schneiden

Beim Gravieren liegt der Fokus auf der Oberfläche. Beim Schneiden ist das bei dünnen Materialien bis etwa 3 mm meist auch richtig. Bei dickeren Platten hilft es, den Fokus ins Material zu legen. Eine übliche Faustregel ist die Materialmitte. Dann ist der Strahl oben und unten ähnlich breit, und die Schnittkante wird gerader.

So setzt du das um:

  • Mit Z-Achse: In LightBurn gibt es dafür in den Ebeneneinstellungen den Z-Offset, der den Kopf näher ans Material fährt. Die LightBurn-Dokumentation nennt ausdrücklich, dass ein tieferer Fokus beim Schneiden dicker Materialien helfen kann.
  • Ohne Z-Achse: Fokussiere mit der Lehre auf die Oberfläche und senke das Modul danach um die halbe Materialstärke ab. Bei 6 mm Sperrholz also um etwa 3 mm.
  • Mehrere Durchgänge: Mit „Z Step per Pass” in LightBurn wandert der Fokus bei jedem Durchgang um einen festen Wert tiefer. Das ist praktisch für dicke Platten, die mehrere Durchgänge brauchen.

Vorsicht bei Z-Bewegungen: Die LightBurn-Doku warnt, dass der Kopf dabei ins Material fahren und das Gerät beschädigen kann. Prüfe Werte und Richtung zuerst mit einem leeren Durchlauf. Wenn Schnitte trotzdem nicht durchgehen, findest du weitere Ursachen unter Schneidet nicht durch.

Gezielt defokussieren

Manchmal ist ein unscharfer Strahl gewollt. Wenn du das Material etwas unter oder über den Fokus legst, wird der Laserpunkt größer und die Energie verteilt sich.

  • Breitere Linien: Für dicke Konturlinien oder Markierungen reicht dann ein einziger Durchgang statt mehrerer nebeneinander.
  • Flächen ohne Streifen: Ein leicht vergrößerter Punkt kann bei Flächengravuren Zeilenstreifen kaschieren. Dann musst du meist auch den Linienabstand anpassen, siehe Laser-Parameter.
  • Empfindliche Oberflächen: Auf Glas, Stein oder Papier kann weniger Energiedichte helfen, Abplatzer oder Durchbrennen zu vermeiden.

Defokussieren ist immer ein Versuch. Ein bis drei Millimeter Abstand sind ein sinnvoller Bereich zum Testen. Notiere den Wert, damit du das Ergebnis wiederholen kannst.

Schnell prüfen, ob der Fokus stimmt

Beobachtungwahrscheinliche Ursache
Linie breit und blassFokus deutlich daneben
Gravur links kräftig, rechts blassMaterial liegt schief oder Tisch ist nicht eben
Schnitt oben sauber, unten nicht durchFokus bei dickem Material zu hoch
Ergebnis schwankt von Tag zu TagModul hat sich gelöst oder Linse ist verschmutzt

Eine verschmutzte Linse wirkt wie ein schlechter Fokus. Reinige sie regelmäßig nach Herstellerangabe. Und auch beim Fokussieren gilt: Laser nur mit passender Schutzbrille bei offenen Geräten bedienen und nie unbeaufsichtigt laufen lassen.

Weiter mit: Materialtest und Air Assist.

Mehrere Durchgänge durch dickes Material? Dann lohnt es sich, den Fokus pro Durchgang tiefer zu legen: Fokus pro Durchgang absenken.