Laser-Parameter einstellen: Leistung, Speed und Linienabstand
erklären wir kurz, wenn du darauf zeigst oder tippst.
Ob eine Gravur sauber wird oder ein Schnitt durchgeht, entscheiden im Kern vier Werte: Leistung, Geschwindigkeit, Durchgänge und beim Gravieren der Linienabstand. Bei Faserlasern kommt die Frequenz dazu. Dieser Artikel erklärt, was jeder Wert bewirkt, wie sie zusammenhängen und mit welchen Startwerten du testen kannst.
Die vier Grundwerte
Leistung wird in der Software meist in Prozent der Maximalleistung angegeben. 50 % an einem 20-W-Diodenlaser sind also etwas anderes als 50 % an einem 40-W-Gerät. Deshalb lassen sich Prozentwerte nie eins zu eins zwischen Geräten übertragen.
Geschwindigkeit ist das Tempo, mit dem der Laserkopf über das Material fährt. Je langsamer, desto länger wirkt der Strahl auf eine Stelle. Achte auf die Einheit: Viele GRBL-Geräte rechnen in mm/min, Herstellersoftware oft in mm/s. 60 mm/s sind 3.600 mm/min. Eine falsche Einheit ist einer der häufigsten Gründe für verbrannte oder kaum sichtbare Ergebnisse.
Durchgänge (Passes) wiederholen denselben Pfad. Zwei Durchgänge mit mittlerer Geschwindigkeit liefern oft sauberere Schnittkanten als ein sehr langsamer Durchgang, weil sich das Material zwischendurch kurz abkühlt und weniger verkohlt.
Linienabstand (Line Interval) gilt nur für Flächengravuren und Bilder. Der Laser fährt die Fläche Zeile für Zeile ab, und der Linienabstand legt fest, wie weit die Zeilen auseinanderliegen.
Linienabstand, LPI und DPI
Linienabstand, LPI (Lines per Inch) und DPI beschreiben dasselbe aus verschiedenen Richtungen. Die Umrechnung laut LightBurn-Dokumentation: DPI = 25,4 geteilt durch den Linienabstand in mm. In xTool-Software findest du stattdessen oft Linien pro Zentimeter.
| Linienabstand | DPI bzw. LPI | Linien pro cm |
|---|---|---|
| 0,2 mm | 127 | 50 |
| 0,1 mm | 254 | 100 |
| 0,08 mm | 318 | 125 |
| 0,05 mm | 508 | 200 |
Kleiner ist nicht automatisch besser. Ist der Abstand zu klein, überlappen sich die Zeilen, die Gravur dauert viel länger und Bilder werden dunkel und matschig. Ist er zu groß, entstehen sichtbare Streifen und du brauchst mehr Leistung für dieselbe Schwärzung. Der ideale Abstand liegt dort, wo sich die Linien gerade berühren, ohne zu überlappen. Das hängt vom Laserpunkt deines Geräts ab. Für Holz mit einem Diodenlaser sind 0,08 bis 0,1 mm ein üblicher Start. Den passenden Wert findest du mit dem Interval-Test in LightBurn oder einem Testraster, siehe Materialtest.
Frequenz beim Faserlaser
Faserlaser arbeiten gepulst. Die Frequenz in Kilohertz gibt an, wie viele Pulse pro Sekunde abgegeben werden. Bei gleicher Leistung gilt grob: Niedrige Frequenz bedeutet weniger Pulse mit mehr Energie pro Puls, das trägt mehr Material ab und wirkt rauer. Hohe Frequenz bedeutet viele schwächere Pulse, das bringt mehr Wärme in die Oberfläche und eignet sich eher für glatte Markierungen und Anlassfarben auf Edelstahl.
Bei Q-Switch-Quellen ist die Pulsdauer weitgehend fest, laut dem Quellenhersteller JPT bei etwa 100 ns. MOPA-Quellen erlauben zusätzlich, die Pulsdauer zu verändern (bei JPT 2 bis 500 ns) und decken einen viel größeren Frequenzbereich ab. Das macht Farbmarkierungen auf Edelstahl möglich. Welche Frequenzen dein Gerät erlaubt, steht im Datenblatt der Laserquelle. Diodenlaser und die meisten Hobby-CO₂-Laser haben keinen Frequenzregler in diesem Sinn.
Wie die Werte zusammenhängen
Entscheidend ist die Energie, die pro Fläche oder pro Millimeter Weg ins Material geht. Grob gilt:
- Doppelte Leistung bei gleicher Geschwindigkeit wirkt ähnlich wie halbe Geschwindigkeit bei gleicher Leistung. Ganz linear ist das nicht, weil Wärme abfließt und Material unterschiedlich reagiert.
- Kleinerer Linienabstand bringt mehr Energie in die Fläche. Wenn du ihn verkleinerst, musst du oft Leistung reduzieren oder schneller fahren.
- Beim Schneiden ersetzt ein zweiter Durchgang nicht immer eine langsamere Fahrt. Bei dicken Materialien hilft oft, den Fokus für den zweiten Durchgang tiefer zu setzen, siehe Laser-Fokus.
- Diodenlaser gravieren meist mit hoher Leistung und regeln die Schwärzung über die Geschwindigkeit. CO₂-Laser gravieren laut LightBurn-Dokumentation typischerweise mit niedriger Leistung und werden für dunklere Ergebnisse langsamer.
Ändere beim Einstellen immer nur einen Wert auf einmal. Sonst weißt du nicht, was die Verbesserung gebracht hat.
Startwerte nach Leistungsklasse
Die folgende Tabelle ist eine grobe Orientierung. Die Werte sind aus Herstellerbibliotheken, Händlertabellen und Community-Sammlungen zusammengefasst, die sich teilweise deutlich widersprechen. Gleiches Holz aus einer anderen Charge, eine verschmutzte Linse oder ein anderer Fokus verschieben das Ergebnis stark. Lasere deshalb vor jedem neuen Material ein Testraster. Alle Werte gelten mit Air Assist und Fokus auf der Oberfläche, Geschwindigkeit in mm/s.
| Material und Aufgabe | 10 W Diode | 20 W Diode | 40 W Diode | ca. 50 W CO₂ |
|---|---|---|---|---|
| Sperrholz gravieren (Fläche) | 50 bis 80 %, 100 bis 200 mm/s | 20 bis 50 %, 100 bis 300 mm/s | 20 bis 50 %, 200 bis 400 mm/s | 15 bis 35 %, 300 bis 500 mm/s |
| Sperrholz 3 mm schneiden | 100 %, 3 bis 8 mm/s, 1 bis 2 Durchgänge | 100 %, 5 bis 12 mm/s, 1 Durchgang | 100 %, 10 bis 25 mm/s, 1 Durchgang | 50 bis 80 %, 15 bis 30 mm/s, 1 Durchgang |
| Acryl 3 mm schneiden | nur schwarz/opak: 100 %, 2 bis 5 mm/s, 2 bis 4 Durchgänge | nur schwarz/opak: 100 %, 3 bis 10 mm/s, 1 bis 3 Durchgänge | nur schwarz/opak: 100 %, 5 bis 12 mm/s, 1 bis 2 Durchgänge | auch klar: 70 bis 100 %, 15 bis 40 mm/s, 1 Durchgang |
| Naturleder gravieren | 30 bis 50 %, 100 bis 200 mm/s | 15 bis 35 %, 150 bis 300 mm/s | 10 bis 25 %, 200 bis 400 mm/s | 10 bis 25 %, 300 bis 500 mm/s |
| Schiefer gravieren | 40 bis 70 %, 100 bis 200 mm/s | 20 bis 40 %, 150 bis 300 mm/s | 10 bis 30 %, 150 bis 300 mm/s | 20 bis 40 %, 200 bis 400 mm/s |
Ein paar Hinweise zur Tabelle:
- Diodenlaser mit blauem Licht (um 450 nm) schneiden kein klares oder hell durchscheinendes Acryl, weil das Licht hindurchgeht. Das ist keine Einstellungsfrage.
- Leder heißt hier pflanzlich gegerbtes Naturleder. Kunstleder enthält oft PVC und gehört nicht unter den Laser. Mehr dazu unter Tabu-Materialien.
- Bei CO₂-Röhren empfehlen viele Hersteller, dauerhaft nicht mit voller Leistung zu arbeiten, weil das die Röhre altern lässt. Schau in die Anleitung deines Geräts.
So gehst du vor
- Starte mit den Herstellerwerten aus der Software deines Geräts, falls vorhanden. Sie sind auf das Gerät abgestimmt.
- Fehlt ein Wert, nimm die Mitte der Spanne aus der Tabelle oben.
- Lasere ein Testraster mit Leistung und Geschwindigkeit als Achsen auf einem Reststück desselben Materials.
- Wähle das beste Feld und notiere die Werte mit Gerät, Material und Datum.
Lass den Laser dabei nie unbeaufsichtigt und halte einen Feuerlöscher griffbereit. Gerade beim Testen mit langsamen Geschwindigkeiten entstehen schnell Flammen.
Weiter mit: Materialtest, Laser-Fokus und Air Assist.