Air Assist beim Laser: Luftmenge, Pumpe und richtige Nutzung
erklären wir kurz, wenn du darauf zeigst oder tippst.
Air Assist ist ein Luftstrahl, der durch eine Düse am Laserkopf direkt auf den Laserpunkt bläst. Er wirkt unscheinbar, entscheidet beim Schneiden aber oft darüber, ob die Kante sauber wird oder verkohlt. Hier erfährst du, was die Luft bewirkt, wie viel du brauchst und wann weniger besser ist.
Was Air Assist macht
Beim Lasern verdampft und verbrennt Material. Dabei entstehen Rauch, Funken und manchmal kleine Flammen. Der Luftstrahl greift an mehreren Stellen ein:
- Flammen unterdrücken: Die Luft bläst kleine Flammen am Schnittpunkt aus, bevor sie wachsen. Das ersetzt aber keine Aufsicht und keinen Feuerlöscher.
- Rauch aus dem Schnitt drücken: Rauch im Schnittspalt schluckt Laserlicht. Wird er weggeblasen, kommt mehr Energie im Material an.
- Linse schützen: Der Luftstrom hält Rauch und Harz von der Linse fern. Eine verschmutzte Linse verliert Leistung und kann durch Hitze beschädigt werden.
- Sauberere Kanten: Weniger Glut im Schnitt heißt weniger dunkle Ränder. Mehr dazu unter Brandspuren.
- Tiefere Schnitte: Weil der Spalt frei bleibt, schneidest du mit denselben Werten oft dickeres Material oder brauchst weniger Durchgänge.
Ohne Air Assist sind Schnitte in Holz bei vielen Diodenlasern kaum sauber hinzubekommen. Wenn ein Schnitt nicht durchgeht, ist fehlende oder zu schwache Luft eine der ersten Ursachen, siehe Schneidet nicht durch.
Wie viel Luft du brauchst
Hersteller geben die Luftmenge meist in Litern pro Minute (l/min) an, manchmal zusätzlich den Druck in kPa. Ein paar Beispiele aus Herstellerangaben:
| Beispiel | Angabe |
|---|---|
| Pumpe beim Acmer P2 33W | 30 l/min laut Produktseite, die FAQ nennt 25 l/min |
| Air-Assist-Set für xTool S1 | mindestens 30 l/min |
| Kit beim Atomstack X70 Max | regelbar von 0 bis 60 l/min |
| integrierte Pumpe beim CO₂-Laser xTool P2S | Zweizylinderpumpe mit 200 kPa |
Bei Diodenlasern bis etwa 40 W liegen die mitgelieferten Pumpen meist im Bereich von 20 bis 30 l/min, einige Kits gehen höher. Das reicht für die meisten Schnitte in Holz und opakem Acryl. Mehr Luft bringt beim Schneiden dickerer Materialien noch etwas, der Effekt wird aber kleiner. Entscheidend ist auch, dass die Düse eng genug ist und nah am Material sitzt. Ein dicker Schlauch mit viel Luft, die breit verpufft, bringt weniger als ein gebündelter Strahl.
Beim Gravieren weniger Luft
Beim Schneiden gilt: volle Luft. Beim Gravieren ist das anders. Zu viel Luft verwirbelt den Rauch über die Fläche, und Harz setzt sich als Schleier um die Gravur. Außerdem kühlt starker Luftstrom die Oberfläche, die Gravur wird heller und du brauchst mehr Leistung.
Geräte mit zwei Luftstufen trennen das ausdrücklich. Thunder Laser beschreibt zum Beispiel einen Schneidmodus mit stärkerem und einen Graviermodus mit schwächerem, gleichmäßigem Luftstrom. Bei einfachen Pumpen regelst du über einen Drehknopf oder über die Software.
Eine gute Faustregel für den Start:
- Schneiden: Air Assist voll
- Flächengravur auf Holz: wenig Luft oder aus, Absaugung an
- Feine Linien und Schrift: wenig Luft, damit der Rauch nicht über die Gravur zieht
- Schiefer, Stein, beschichtetes Metall: meist wenig Luft, da kaum Flammen entstehen
Teste das am besten mit einem Materialtest: dasselbe Raster einmal mit und einmal ohne Luft.
Steuerung per Software
In LightBurn gibt es pro Ebene einen Schalter Air Assist. Bei GRBL-Geräten legst du in den Geräteeinstellungen fest, ob die Pumpe mit dem Befehl M7 oder M8 eingeschaltet wird. Laut LightBurn-Dokumentation wirkt der Schalter nur, wenn das Gerät eine steuerbare Air Assist hat. Muss die Pumpe von Hand eingeschaltet werden, passiert über die Software nichts. Viele Hersteller-Programme schalten die Luft automatisch je nach Bearbeitungsart.
So kannst du in einem Projekt die Gravur-Ebene ohne und die Schnitt-Ebene mit Luft laufen lassen.
Aquarienpumpe oder Kompressor
Für Air Assist gibt es drei verbreitete Luftquellen:
| Luftquelle | Typische Daten | Hinweise |
|---|---|---|
| mitgelieferte Laser-Pumpe | 20 bis 60 l/min | passt meist direkt, oft per Software steuerbar |
| Kolben- oder Membranpumpe aus dem Aquarien- und Teichbedarf | z. B. ca. 35 l/min bei 18 W | günstig, dauerlauffähig, Anschluss und Druck vorher prüfen |
| Werkstattkompressor mit Kessel | hoher Druck, je nach Modell | viel Reserve, aber laut, braucht Druckminderer und Wasserabscheider |
Aquarien- und Teichpumpen sind für Dauerbetrieb gebaut. Das passt zu langen Laserjobs. Ihr Druck ist aber begrenzt. Bei engen Düsen kommt deshalb weniger Luft an, als auf dem Typenschild steht.
Ein Kompressor liefert mehr Druck, bringt aber eigene Probleme mit. Er schaltet sich zyklisch ein, ist laut und die Luft kann Wasser und bei geölten Modellen Öl enthalten. Ölnebel auf der Linse ist schlecht. Wenn du einen Kompressor nutzt, gehört ein Druckminderer und ein Wasser- und Ölabscheider dazwischen. Prüfe außerdem, wie viel Druck die Düse und die Schläuche am Laserkopf vertragen.
Lautstärke
Die Pumpe läuft während des ganzen Jobs, bei langen Gravuren also stundenlang. Die Lautstärke spielt deshalb eine Rolle, vor allem in der Wohnung.
- Kleine Air-Assist-Pumpen werden teils mit Werten um 40 dB beworben. Unter Last sind sie oft lauter.
- Normale Kompressoren liegen laut einem Vergleich auf heimwerker.de bei etwa 70 bis 100 dB, sogenannte Flüsterkompressoren je nach Leistung bei 30 bis 65 dB.
Eine Pumpe auf einer weichen Unterlage oder in einer gedämmten Kiste ist hörbar leiser. Die Kiste braucht aber Lüftungsöffnungen, sonst wird die Pumpe zu warm.
Nachrüsten
Hat dein Gerät keine Air Assist, gibt es oft ein passendes Set vom Hersteller. Bei offenen Diodenlasern besteht es meist aus einer Düse, die über die Linse gesteckt wird, einem Schlauch und einer Pumpe. Achte auf diese Punkte:
- Passende Düse: Sie muss zum Lasermodul passen und mittig über dem Strahl sitzen. Eine schiefe Düse bläst am Punkt vorbei.
- Fokusabstand prüfen: Eine neue Düse kann den Abstand zum Material verändern. Danach den Fokus neu einstellen, siehe Laser-Fokus.
- Schlauchführung: Der Schlauch darf beim Fahren nicht hängen bleiben oder in den Strahl geraten.
- Steuerung: Wenn das Mainboard einen Anschluss für Air Assist hat, kann die Software die Pumpe schalten. Sonst läuft sie per Hand.
Nicht jedes Gerät lässt sich nachrüsten. Beim xTool M2 ist die Pumpe zum Beispiel fest eingebaut, und es gibt keinen Anschluss für eine fremde Luftquelle.
Düse sauber halten
Die Düse sitzt direkt über dem Rauch. Harz und Ruß setzen sich innen ab und verengen den Luftkanal. Dann bläst die Luft schräg oder schwächer.
- Düse regelmäßig abnehmen und innen mit einem Wattestäbchen und etwas Isopropanol reinigen
- Prüfen, ob die Öffnung rund und frei ist
- Linse bei der Gelegenheit gleich mit kontrollieren
- Schlauch auf Knicke und Risse prüfen
Weiter mit: Brandspuren, Materialtest und Laser-Zubehör.