Becher, Flaschen und Gläser gravieren: Rotationsachse richtig einrichten
erklären wir kurz, wenn du darauf zeigst oder tippst.
Ein Portallaser fährt nur in X und Y über eine flache Fläche. Für einen Becher, eine Flasche oder ein Weinglas brauchst du deshalb eine Rotationsachse: Sie dreht das Werkstück unter dem Laserkopf, während der Laser nur noch in einer Richtung fährt. Diese Anleitung zeigt, welche Achse du wofür nimmst, wie du sie einrichtest und welche Materialien sich mit Diode, CO₂ oder Faser gravieren lassen.
Rollen- oder Futterachse
Es gibt zwei Bauarten. Laut LightBurn-Dokumentation hält eine Futterachse (Chuck) das Werkstück mit verstellbaren Spannbacken fest, bei einer Rollenachse liegt es auf angetriebenen Rollen und wird durch Reibung mitgedreht.
| Rollenachse | Futterachse | |
|---|---|---|
| Prinzip | Teil liegt lose auf Rollen | Teil wird eingespannt |
| Stärken | schnell aufgelegt, große Durchmesser, nichts wird eingespannt | rutscht nicht, gut für Becher mit Henkel und unrunde Teile |
| Schwächen | glatte oder schwere Teile können rutschen, Henkel können stören | Durchmesser muss exakt eingetragen werden, zu festes Spannen gefährdet Glas |
| Typisch für | Flaschen, Trinkgläser, gerade Becher | Tassen, Thermobecher, Weingläser mit Stiel |
Manche Achsen können beides. Die xTool RA2 Pro nimmt laut Hersteller im Rollenmodus 3 bis 198 mm Durchmesser auf, im Futtermodus 0 bis 100 mm. Welche Achse zu deinem Gerät passt, steht in den Datenblättern, etwa beim xTool S1 20W (RA2 Pro), beim xTool P2S (RA3) oder beim offenen Creality Falcon2 22W (eigenes Rotary Kit). Einen Überblick über weiteres Zubehör gibt der Artikel Laser-Zubehör.
Platz schaffen: Unterbau und Laserklasse
Bei offenen Diodenlasern stellst du die Achse einfach unter den Rahmen und hebst den Laser bei Bedarf mit Erhöhungsfüßen an. Geschlossene Geräte haben einen festen Boden und wenig Höhe. Für größere Durchmesser brauchst du dann einen Unterbau (Riser), auf den das ganze Gerät gestellt wird. xTool gibt für den P2/P2S an, dass Teile unter 42 mm ohne Riser auf der Bodenplatte gehen, ab 42 mm wird der Riser empfohlen. Beim xTool S1 ist der Durchmesserbereich der RA2 Pro ausdrücklich mit zusätzlichem Riser angegeben.
Wichtig: Ein Unterbau kann die Laserklasse ändern. Der Bambu Lab R1 ist ab Werk Klasse 1, mit Erhöhungssockel oder Förderband laut Test von Tom’s Hardware Klasse 4. Dann brauchst du eine passende Laserschutzbrille, die nicht im Lieferumfang ist. Prüf vor dem Kauf eines Risers in der Anleitung, welche Klasse dein Gerät damit hat. Was das praktisch bedeutet, steht unter Laser-Sicherheit.
Einrichten in der Software
Die Software muss wissen, wie weit sich die Achse für eine volle Umdrehung bewegen soll. Sonst wird das Motiv gestaucht oder gestreckt.
LightBurn: Im Rotary-Setup wählst du den Achstyp. Die Dokumentation nennt diese Werte:
- mm pro Umdrehung (mm per rotation): der Weg, den die Steuerung fahren muss, damit sich die Achse einmal komplett dreht. Ist der Wert falsch, wird die Ausgabe gestaucht oder gestreckt. Manche Steuerungen arbeiten stattdessen mit Schritten pro Umdrehung oder pro Grad, das hängt von Firmware und Achse ab.
- Rollendurchmesser: Bei Rollenachsen misst du die angetriebene Rolle einmal genau, danach bleibt der Wert gleich.
- Objektdurchmesser: Bei einer Futterachse muss er bei jedem neuen Teil stimmen. Bei einer Rollenachse beeinflusst er die Ausgabe nicht, LightBurn berechnet daraus nur den Umfang.
- Test: Die Achse dreht einmal 360 Grad und zurück. Dreht sie zu weit, verringerst du mm pro Umdrehung, dreht sie zu wenig, erhöhst du den Wert. Bei Rollenachsen zählt die Umdrehung der Rolle, nicht die des Bechers.
xTool Studio: Hier wählst du den Modus, etwa “Roller” oder “Chuck”, und gibst im Futtermodus Umfang oder Durchmesser des Teils ein. Vor dem ersten echten Auftrag lohnt sich ein Testlauf mit geringer Leistung auf einem Reststück oder mit Malerkrepp auf dem Becher.
Durchmesser messen: Nimm einen Messschieber und miss außen an der Stelle, an der graviert wird. Bei Bechern mit Wandverstärkung oder Rillen kann der Wert oben und unten verschieden sein.
Motivbreite: der Umfang
Die abgewickelte Fläche eines Bechers ist so breit wie sein Umfang:
Umfang = Durchmesser × π
Beispiel: Ein Becher mit 76 mm Außendurchmesser hat 76 × 3,1416 ≈ 238,8 mm Umfang. Ein Rundum-Muster darf also höchstens 238,8 mm breit sein, in der Praxis etwas weniger, damit Anfang und Ende nicht überlappen.
| Durchmesser | Umfang (gerundet) | von vorn sichtbar (halber Umfang) |
|---|---|---|
| 60 mm | 188,5 mm | 94,2 mm |
| 76 mm | 238,8 mm | 119,4 mm |
| 90 mm | 282,7 mm | 141,4 mm |
Von vorn siehst du höchstens die Hälfte des Umfangs, und zum Rand hin wird das Motiv perspektivisch schmaler. Ein Logo, das von vorn gut lesbar sein soll, legst du deshalb deutlich schmaler an als den halben Umfang. LightBurn weist darauf hin, dass bei Rundum-Designs die Gesamtbreite der Grafik genau dem Umfang entsprechen sollte.
Fokus auf den höchsten Punkt
Der Laser fokussiert immer auf eine Höhe. Beim Becher ist das der höchste Punkt, also die Oberseite der Rundung direkt unter dem Laserkopf. xTool beschreibt es genauso: Den roten Positionierpunkt auf die höchste Stelle des Teils setzen, dann messen. Richte den Becher so aus, dass diese Linie über die ganze Motivhöhe waagerecht liegt. Wie du den Fokus manuell einstellst, steht im Artikel Laser-Fokus.
Konische Becher
Viele Thermobecher und Gläser sind konisch, unten schmaler als oben. Liegt so ein Becher waagerecht, ist die Oberseite schräg, der Fokus stimmt nur an einer Stelle. Die Lösung: das schmale Ende anheben, bis die Oberkante waagerecht liegt. So beschreibt es auch J Tech Photonics in seiner Rotary-Anleitung, viele Achsen haben dafür eine höhenverstellbare Stütze.
Auch dann wird das Motiv auf einem Konus leicht verzogen, weil sich der Durchmesser über die Höhe ändert. LightBurn empfiehlt für das Futter, den Durchmesser am größten Ende einzutragen, und bietet für genauere Ergebnisse ein Werkzeug zur Kegelkorrektur (Taper Warp). Das gleiche Problem kennt der UV-Druck, siehe Runde Objekte bedrucken.
Welches Material mit welchem Laser
| Material | Diode (blau, ca. 450 nm) | CO₂ | Faser / Infrarot (1064 nm) | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|
| Edelstahl pulverbeschichtet | ja, Beschichtung wird abgetragen | ja | ja | blanker Stahl unter Farbe |
| Edelstahl blank | nur mit Markierspray | nur mit Markierspray | ja, direkt | dunkle Markierung |
| Klarglas | nur mit Beschichtung | gut | nicht üblich | matt, milchig |
| Holz, Bambus | gut | gut | nicht üblich | dunkle Brandgravur |
| Keramik, glasiert oder beschichtet | eingeschränkt, testen | gut | laut Thunder Laser ungeeignet | Glasur matt oder abgetragen |
Pulverbeschichtete Edelstahlbecher: Der Laser brennt die Farbe weg, darunter kommt der Stahl zum Vorschein. Laut Snapmaker schaffen das CO₂-Laser und leistungsstärkere Diodenlaser. Reste wischst du mit Isopropanol ab. Kenne die Beschichtung, manche Lacke setzen beim Verbrennen kritische Stoffe frei. Details im Artikel Metall lasern.
Blanker Edelstahl: Direkt markieren können Faserlaser und Infrarotmodule mit 1064 nm, etwa das optionale 2-W-IR-Modul des xTool S1. Mit Diode oder CO₂ geht es nur mit Laser-Markierspray, das danach abgewaschen wird. Achte auf die Laserklasse: Snapmaker nennt sein 1064-nm-Modul ausdrücklich Klasse 4, mit Pflicht zur Schutzbrille.
Glas: Ein CO₂-Laser mattiert Glas gut, mit dem typischen Look wie gesandstrahlt. Klarglas lässt das blaue Diodenlicht fast vollständig durch, du brauchst eine dunkle Beschichtung. Gegen Ausbrüche empfiehlt Epilog, ein dünnes feuchtes Papiertuch oder eine Schicht Spülmittel aufzulegen, die Auflösung zu senken und mit Dithering zu arbeiten. Auf der Rollenachse muss das Tuch glatt anliegen und darf nicht verrutschen. Mehr unter Glas, Stein und Schiefer lasern.
Holz: Holzbecher und Bambusflaschen gravieren sich mit Diode und CO₂ wie flaches Holz. Achte auf Lack oder Öl, deren Zusammensetzung du nicht kennst.
Keramik: Laut Thunder Laser wirkt der Laser vor allem auf die Glasur, nicht auf den Scherben darunter. CO₂ gilt als beste Wahl, Diodenlaser liefern eher hellere, ungleichmäßige Ergebnisse. Für Tassen gibt es spezielle laserbare Ausführungen mit Farbbeschichtung. Zu viel Leistung bei geringem Tempo kann Risse erzeugen.
Spülmaschine
Hier gibt es kaum belastbare Angaben. Thunder Laser schreibt, gravierte Keramiktassen seien in der Regel spülmaschinenfest, der Kontrast leichter Gravuren könne aber nachlassen. Für pulverbeschichtete Becher und beschichtetes Glas hängt es von Beschichtung und Hersteller des Rohlings ab. Gib Spülmaschinenfestigkeit nur an, wenn der Rohling-Hersteller sie bestätigt oder du sie über viele Spülgänge selbst getestet hast.
Typische Fehler
| Fehler | Ursache | Abhilfe |
|---|---|---|
| Motiv gestaucht oder gestreckt | mm pro Umdrehung falsch, beim Futter falscher Durchmesser | Testlauf, Werte korrigieren, Durchmesser neu messen |
| Naht: Anfang und Ende überlappen oder klaffen | Motiv so breit wie der Umfang, kleiner Kalibrierfehler | Motiv schmaler anlegen, Naht auf die Rückseite legen |
| Becher verrutscht oder wandert | glatte Oberfläche, zu hohe Beschleunigung, Becher liegt schief | Beschleunigung der Achse senken (LightBurn-Tipp), Becher ausrichten, Futter nutzen |
| Motiv zu breit | Breite größer als Umfang oder sichtbarer Bereich | Umfang berechnen, Motiv anpassen |
| Unscharf an einem Ende | konischer Becher liegt waagerecht | schmales Ende anheben, Fokus neu setzen |
| Kleiner Versatz in Linien | Spiel im Getriebe der Achse | LightBurn empfiehlt eine schwache Hilfslinie unter dem Motiv, die das Spiel aufnimmt |
Bevor du einen teuren Becher gravierst, mach einen Materialtest an einem gleichen Reststück oder an einer unauffälligen Stelle.
Kurz zusammengefasst
- Rollenachse für Flaschen und Gläser, Futterachse für Tassen mit Henkel und Weingläser mit Stiel.
- Bei geschlossenen Geräten klären, ob ein Riser nötig ist und ob sich dann die Laserklasse ändert.
- mm pro Umdrehung mit einem Testlauf prüfen, beim Futter jeden Durchmesser neu eintragen.
- Umfang = Durchmesser × π, Motiv schmaler anlegen und Abstand zur Naht lassen.
- Fokus auf den höchsten Punkt, konische Becher schräg stellen.
- Spülmaschinenfestigkeit nur versprechen, wenn sie belegt oder getestet ist.
Weiter mit: Laser-Zubehör und Metall lasern.
Quellen (8)
- LightBurn-Dokumentation: Rotary Mode (G-Code)
- xTool Support: Rotary Attachment 2 mit P2/P2S in xTool Studio
- xTool: S1 Riser Base und RA2 Pro, technische Daten
- Tom’s Hardware: Test Bambu Lab R1
- J Tech Photonics: Rotary Instruction Manual (PDF)
- Epilog Laser: Glass Etching
- Snapmaker: How to Laser Engrave Tumblers
- Thunder Laser: Can You Laser Engrave Ceramic Mugs?