Was ist ein Lasergravierer? Funktion, Einsatz und Startausrüstung
erklären wir kurz, wenn du darauf zeigst oder tippst.
Ein Lasergravierer bringt mit einem gebündelten Lichtstrahl Motive auf Holz, Leder, Acryl, Schiefer oder Metall. Je nach Gerät und Material graviert er, schneidet Teile aus oder verfärbt nur die Oberfläche. Dieser Artikel erklärt, wie das funktioniert, welche Bauformen es gibt und was du zum Start brauchst.
Wie funktioniert ein Lasergravierer?
Die Laserquelle erzeugt einen Lichtstrahl mit einer festen Wellenlänge. Eine Linse bündelt ihn auf einen sehr kleinen Punkt, oft unter 0,1 mm. In diesem Punkt trifft viel Leistung auf eine winzige Fläche. Das Material nimmt die Energie auf, wird heiß und reagiert: Es verdampft, verbrennt, schmilzt oder verändert seine Farbe.
Damit daraus ein Motiv wird, muss sich der Punkt über das Material bewegen. Dafür gibt es zwei Prinzipien:
- Portal (Gantry): Der Laserkopf fährt auf Achsen über die Arbeitsfläche, ähnlich wie bei einem Plotter.
- Galvo: Der Kopf steht still, zwei schnelle Spiegel lenken den Strahl ab.
Die Unterschiede erklärt der Artikel Portal oder Galvo.
Gesteuert wird alles über eine Software. Dort legst du für jede Ebene fest, mit welcher Leistung (in Prozent), mit welcher Geschwindigkeit und in wie vielen Durchgängen der Laser arbeitet. Flächen werden zeilenweise abgefahren, Linien und Konturen entlang ihres Pfads.
Was kann man damit machen?
Es gibt drei grundlegende Bearbeitungsarten. Welche ein Gerät beherrscht, hängt vor allem von Lasertyp und Leistung ab.
| Bearbeitung | Was passiert | Typische Beispiele |
|---|---|---|
| Gravieren | Material wird an der Oberfläche abgetragen oder dunkel verbrannt | Schneidebretter, Lederpatches, Schiefer-Untersetzer, Fotos auf Holz |
| Schneiden | Der Strahl trennt das Material in einem oder mehreren Durchgängen | Sperrholz-Bausätze, Acryl-Schilder, Schablonen, Filz |
| Markieren | Die Oberfläche verfärbt sich, ohne dass nennenswert Material abgetragen wird | Seriennummern auf Edelstahl, Logos auf eloxiertem Aluminium |
Welche Lasertypen gibt es?
Im Hobbybereich sind fünf Typen verbreitet:
- Diodenlaser mit blauem Licht um 450 nm. Günstig, gut für Holz, Leder, Papier und dunkles Acryl.
- CO₂-Laser mit 10.600 nm. Stark beim Schneiden, auch für klares Acryl und Glasgravur.
- Faserlaser mit 1064 nm. Für Metall und viele Kunststoffe.
- Infrarotmodule mit 1064 nm und wenigen Watt, oft als Zusatz zu Diodenlasern. Zum Markieren von Metall und Kunststoff.
- UV-Laser mit 355 nm. Für Glas, Kristall und empfindliche Kunststoffe.
Bauformen: offen oder geschlossen
Bei Hobbygeräten ist das die wichtigste Entscheidung nach dem Lasertyp.
| Offenes Gerät | Geschlossenes Gerät | |
|---|---|---|
| Aufbau | Rahmen mit Laserkopf, Material liegt frei | Gehäuse mit Deckel, oft mit Sichtfenster |
| Laserklasse | meist Klasse 4 | oft Klasse 1, solange das Gehäuse geschlossen ist |
| Schutzbrille | Pflicht für alle im Raum | bei Klasse 1 im Normalbetrieb nicht nötig |
| Rauch | verteilt sich im Raum, eigene Absaugung nötig | Abluftanschluss oder Filter, meist integriert |
| Werkstückgröße | flexibel, mit Erhöhung auch große Teile | durch Gehäuse begrenzt, teils mit Durchreiche |
| Preis | günstiger bei gleicher Leistung | teurer |
Ein offener Diodenlaser wie der Acmer P2 33W ist Klasse 4. Nach DIN EN 60825-1 sind das Laser mit mehr als 500 mW Dauerleistung. Schon gestreute Reflexionen können die Augen schädigen. Ein geschlossenes Gerät wie der xTool S1 20W ist dagegen als Klasse 1 ausgelegt. Das gilt aber nur, solange der Deckel zu ist und keine Erhöhung mit offener Seite verbaut ist.
Wichtig: Auch ein geschlossenes Gerät erzeugt Rauch und kann ein Feuer auslösen. Das Gehäuse ersetzt keine Absaugung und keine Aufsicht.
Was du zum Start brauchst
Das Gerät allein reicht nicht. Diese Dinge gehören dazu:
- Abluft oder Filter: Beim Lasern entstehen Rauch, Gerüche und Schadstoffe. Am einfachsten ist ein Abluftschlauch nach draußen. Wo das nicht geht, hilft ein Luftreiniger mit passenden Filtern. Mehr im Artikel Laser-Absaugung.
- Laserschutzbrille: Bei offenen Geräten Pflicht. Sie muss zur Wellenlänge passen und eine ausreichende optische Dichte (OD) für genau diesen Bereich haben. Eine Brille für 450 nm schützt nicht automatisch vor 1064 nm.
- Feuerlöscher: Ein geeigneter Löscher, zum Beispiel ein CO₂-Löscher, gehört griffbereit neben das Gerät. Lass den Laser nie unbeaufsichtigt laufen.
- Feste, nicht brennbare Unterlage: Ein Wabenbett oder ein Metallblech unter dem Werkstück. Bei offenen Geräten zusätzlich eine hitzebeständige Platte unter dem ganzen Gerät.
- Air Assist: Ein Luftstrom am Laserkopf bläst Rauch und Flammen weg. Schnitte werden sauberer, die Linse bleibt länger sauber. Bei vielen Geräten ist er eingebaut, bei anderen Zubehör.
- Software: Meist liefert der Hersteller eine eigene Software mit. Viele Geräte laufen auch mit LightBurn.
- Testmaterial: Ein paar Platten Lindensperrholz in 3 mm und Reste der Materialien, die du später nutzen willst. Für jedes neue Material laserst du zuerst ein Testraster.
Was du nicht lasern darfst
Nicht jedes Material ist geeignet. PVC und Vinyl setzen beim Lasern Chlor frei, das zu Salzsäure reagiert. Das schadet deiner Gesundheit und greift Mechanik und Elektronik an. Dasselbe gilt für Kunstleder mit PVC-Anteil. Polycarbonat und ABS schmelzen, brennen leicht und erzeugen giftige Dämpfe. Glasfaser- und Carbonplatten sind ebenfalls tabu oder zumindest kritisch. Wenn du nicht weißt, woraus ein Material besteht, laserst du es nicht.
Eine ausführliche Liste findest du unter Tabu-Materialien.
Wo stehst du jetzt?
Bevor du ein Gerät aussuchst, kläre drei Fragen:
- Welche Materialien? Holz und Leder schafft fast jeder Laser. Metall braucht Infrarot oder Faser, klares Acryl braucht CO₂.
- Gravieren oder Schneiden? Für dickeres Holz und Acryl brauchst du mehr Leistung oder einen CO₂-Laser.
- Wo steht das Gerät? In der Wohnung spricht viel für ein geschlossenes Gerät mit Abluft. In einer Werkstatt mit Fenster geht auch ein offenes.
Weiter mit: Lasertypen im Vergleich und Welcher Laser passt zu dir?