Portal oder Galvo: Welcher Laseraufbau zu deinen Projekten passt
erklären wir kurz, wenn du darauf zeigst oder tippst.
Ein Lasergravierer muss den Laserpunkt über das Material führen. Dafür gibt es zwei grundverschiedene Lösungen: Beim Portal fährt der ganze Laserkopf, beim Galvo lenken Spiegel nur den Strahl. Das klingt nach einem technischen Detail, entscheidet aber über Tempo, Arbeitsfläche und darüber, ob du schneiden kannst.
Das Portal-Prinzip
Beim Portal (englisch Gantry) sitzt der Laserkopf auf einem Schlitten. Er fährt auf zwei Achsen über die Arbeitsfläche, angetrieben von Schrittmotoren und Riemen oder Spindeln. Manche Geräte nutzen einen CoreXY-Aufbau, bei dem zwei Motoren gemeinsam beide Achsen bewegen. Der Strahl trifft dabei immer senkrecht von oben auf das Material.
Fast alle Diodenlaser und praktisch alle CO₂-Laser im Hobbybereich arbeiten so. Beispiele sind der xTool S1 40W als geschlossener Diodenlaser und der xTool P2S als CO₂-Laser.
Das Galvo-Prinzip
Beim Galvo steht der Laserkopf still. Im Kopf sitzen zwei kleine Spiegel auf Galvanometer-Antrieben. Der eine lenkt den Strahl in X-Richtung ab, der andere in Y-Richtung. Eine Planfeldlinse (F-Theta-Linse) sorgt dafür, dass der Punkt im ganzen Arbeitsfeld auf einer Ebene scharf bleibt.
Weil sich nur leichte Spiegel bewegen und keine Mechanik mit Gewicht, ist der Galvo extrem schnell. Faser- und UV-Laser sind fast immer Galvo-Geräte. Es gibt aber auch Diodenlaser mit Galvo, etwa den xTool F2, der eine Diode mit einem Infrarotlaser kombiniert.
Der Vergleich
| Portal | Galvo | |
|---|---|---|
| Bewegung | Laserkopf fährt auf Achsen | Spiegel lenken den Strahl, Kopf steht still |
| Typische Geschwindigkeit | 400 bis 600 mm/s bei Hobby-Diodenlasern, CO₂-Geräte teils 1.000 bis 2.000 mm/s | 4.000 bis 15.000 mm/s |
| Arbeitsfläche | meist 300 x 300 bis 850 x 800 mm, kompakte Geräte ab 110 x 110 mm | klein, meist 100 x 100 bis 220 x 220 mm |
| Strahl | immer senkrecht | am Feldrand leicht schräg |
| Schneiden | gut, auch dickes Material | nur dünnes Material, Schnittkanten werden schräg |
| Gravur großer Flächen | langsam, aber ohne Größengrenze | sehr schnell, aber nur innerhalb des Felds |
| Typische Laser | Diode, CO₂ | Faser, UV, teils Diode und Infrarot |
Die Geschwindigkeiten stammen aus Herstellerangaben der Geräte in unserer Geräteübersicht. Sie sind Maximalwerte für die Bewegung. Wie schnell du tatsächlich arbeitest, bestimmen Material und Leistung.
Geschwindigkeit: der große Vorteil des Galvo
Ein Galvo graviert ein kleines Logo auf einem Schlüsselanhänger in wenigen Sekunden. Ein Portal-Laser braucht dafür ein Vielfaches, weil der Kopf an jedem Zeilenende abbremsen, umkehren und wieder beschleunigen muss. Bei großen Flächen und Fotogravuren summiert sich das.
Für Serienfertigung kleiner Teile ist das ein echter Unterschied: Gravierte Anhänger, Kugelschreiber, Feuerzeuge, Schmuck oder Typenschilder laufen auf einem Galvo deutlich schneller durch.
Arbeitsfläche: der große Vorteil des Portals
Das Arbeitsfeld eines Galvos hängt von der Linse ab. Je größer das Feld, desto größer wird auch der Laserpunkt und desto schräger trifft der Strahl am Rand auf. Darum bleiben Galvo-Felder klein. Der ComMarker B4 20W hat zum Beispiel 110 x 110 mm.
Manche Galvo-Geräte erweitern das mit Zubehör: Eine Schiebeeinheit oder ein Förderband bewegt das Werkstück unter dem Feld weiter, und die Software setzt die Teile zusammen. Das funktioniert, ist aber aufwendiger als ein großes Portalbett.
Portal-Laser sind dagegen kaum begrenzt. Offene Diodenlaser haben teils Flächen von 400 x 400 mm und mehr. Mit Erhöhungen oder Durchreichen bearbeitest du auch Werkstücke, die über das Gerät hinausragen.
Schneiden: nur mit Portal sinnvoll
Zum Schneiden muss der Strahl senkrecht und lange genug an einer Stelle wirken, oft in mehreren Durchgängen. Das kann das Portal gut. Ein Galvo trifft das Material am Feldrand leicht schräg, die Schnittkanten werden bei dickerem Material schief. Galvo-Diodenlaser schneiden laut Hersteller zwar dünnes Holz und dunkles Acryl, aber Schneiden ist nicht ihre Stärke.
Faser-Galvos schneiden dünne Bleche, meist unter 1 mm. Für Holz- und Acrylzuschnitte im Format A4 und größer brauchst du ein Portal.
Fokus und Werkstückhöhe
Beide Bauarten haben einen festen Fokusabstand. Beim Portal wird der Kopf oder die Auflage in der Höhe verstellt, viele Geräte haben dafür Autofokus. Beim Galvo stellst du den Arbeitsabstand zwischen Linse und Werkstück ein, oft über eine höhenverstellbare Säule. Mehr dazu im Artikel Laser-Fokus.
Welche Bauart passt zu dir?
Portal passt, wenn du
- Holz, Sperrholz, Acryl oder Filz schneiden willst,
- große Schilder, Bretter oder Zuschnitte machst,
- mit einem Gerät möglichst viel abdecken willst.
Galvo passt, wenn du
- vor allem kleine Teile gravierst oder markierst,
- Metall bearbeiten willst (dann meist mit Faser),
- viele gleiche Teile in kurzer Zeit brauchst.
Viele Werkstätten haben am Ende beides: einen Portal-Laser für Zuschnitte und Holz, einen Galvo für Metall und kleine Serien. Für den Einstieg ist ein Portal-Diodenlaser der flexiblere Start. Ein Galvo ist eher die zweite Maschine, wenn du genau weißt, was du in Serie machen willst.
Sicherheit gilt für beide
Ein offener Galvo ist genauso Klasse 4 wie ein offener Portal-Laser. Weil der Strahl schnell über das Feld springt und Reflexionen in viele Richtungen gehen können, brauchst du eine Schutzbrille, die zur Wellenlänge passt. Bei Faser und UV siehst du den Strahl nicht. Rauch entsteht bei beiden, also Absaugung einplanen und das Gerät nicht unbeaufsichtigt laufen lassen.
Weiter mit: Lasertypen im Vergleich und Gravieren, Schneiden, Markieren