Filament bricht oder wird spröde: Ursachen und was du tun kannst
erklären wir kurz, wenn du darauf zeigst oder tippst.
Filament bricht, wenn es spröde geworden ist und dann gebogen wird. Die Hersteller nennen dafür vor allem drei Gründe: Feuchtigkeit, enge Biegungen auf dem Weg zum Extruder und Materialien, die von Haus aus spröde sind, etwa manche faserverstärkten Filamente. Der erste Schritt ist fast immer: Filament trocknen und trocken lagern. Ist es schon gebrochen, musst du das Reststück aus Schlauch, Mehrfarbsystem oder Extruder holen, bevor es weitergeht.
Warum gerade PLA nach längerer Zeit brüchig wird, ist übrigens nicht abschließend geklärt. In Foren kursieren mehrere Erklärungen, von Feuchtigkeit über Alterung bis zur Spannung durch die Krümmung auf der Spule. Belastbare Herstellerangaben gibt es vor allem zu den Punkten unten.
Schnelltest: Ist das Filament spröde?
Wickle ein Stück Filament ab und biege es zwischen den Fingern. Gesundes PLA oder PETG biegt sich deutlich, bevor es bricht. Bricht es schon bei leichtem Biegen, ist es spröde. Mosaic, Hersteller des Palette-Systems, nennt genau das als Erkennungszeichen: Lässt sich Filament ohne viel Kraft abknicken, ist es wahrscheinlich zu spröde geworden.
Die Ursachen
1. Feuchtigkeit
Bambu Lab schreibt in seinem Wiki, dass Filament auch im Druckkopf brechen kann, wenn es nicht trocken genug ist. Typische Begleitzeichen von feuchtem Filament sind Knistern an der Düse, mehr Fäden und raue Oberflächen.
Was hilft: trocknen und danach luftdicht mit Trockenmittel lagern. Laut Bambu Lab nimmt frisch getrocknetes Filament bei rund 55 % Luftfeuchte schon nach 2 bis 12 Stunden so viel Wasser auf, dass die Druckqualität leidet. Unter 20 % relativer Luftfeuchte bleibt es deutlich länger trocken. Temperaturen und Dauer je Material stehen in Filament trocknen und lagern, Boxen, Trockenmittel und Zielwerte in Filament richtig lagern.
2. Enge Biegungen auf dem Weg zum Extruder
Sprödes Filament bricht dort, wo es am stärksten gebogen wird. Bambu Lab nennt als typische Bruchstellen das Mehrfarbsystem selbst, den Bereich im oder am Druckkopf und Stellen, an denen der PTFE-Schlauch stark gebogen ist, etwa direkt vor dem Extruder.
Was hilft: Schläuche ohne enge Bögen verlegen. Bei sprödem Filament möglichst kurze, gerade Wege nutzen, zum Beispiel den externen Spulenhalter statt des Mehrfarbsystems.
3. Material, das von Haus aus spröde ist
Manche Filamente sind schon neu deutlich weniger biegsam als PLA oder PETG. Bambu Lab nennt als „zu spröde“ für AMS und AMS lite unter anderem bestimmte PET-CF-Sorten, PLA mit Holzanteil sowie PA-CF/GF und PAHT-CF/GF. Creality warnt beim CFS, dass harte Filamente wie PPA-CF oder PPS-CF im Schlauch brechen können.
Was hilft: Solche Materialien laut Herstellerliste nicht über das Mehrfarbsystem führen, sondern direkt von der Spule. Mehr zu diesen Filamenten steht in Faserverstärkte Filamente.
4. Wiederholtes Aufheizen und Abkühlen
Bambu Lab weist bei PC darauf hin, dass das Filament nach mehreren Trocknungszyklen mit Aufheizen und Abkühlen spröde werden kann. Die gedruckten Teile sind davon laut Hersteller nicht betroffen, aber das Filament bricht beim Drucken leichter. Bambu Lab rät deshalb, getrocknetes PC direkt luftdicht mit Trockenmittel zu lagern, statt es immer wieder zu trocknen.
5. Ungünstige Lagerung
Hersteller empfehlen, Filament kühl, trocken, ohne direkte Sonne und fern von Wärmequellen zu lagern. Eine Spule, die monatelang offen neben dem Fenster liegt, hat damit gleich mehrere Nachteile auf einmal.
Übersicht
| Anzeichen | Wahrscheinliche Ursache | Erste Maßnahme |
|---|---|---|
| Bricht beim Biegen, knistert beim Drucken | Feuchtigkeit | trocknen, luftdicht lagern |
| Bricht immer an derselben Stelle im Schlauch | enge Biegung | Schlauch anders verlegen |
| Faserverstärktes Material bricht im AMS oder CFS | Material für das System zu spröde | direkt von der Spule drucken |
| PC wird nach mehrfachem Trocknen brüchig | Wärmezyklen | nach dem Trocknen dicht lagern, nicht ständig neu trocknen |
Filament im AMS oder im Schlauch gebrochen
Bambu-Lab-Drucker melden das meist als „filament broken in the path“. So gehst du laut Bambu-Lab-Wiki vor:
- Bruch am Ausgang des AMS: PTFE-Schlauch am AMS-Ausgang lösen. Dazu die Verriegelung am Anschluss nach unten drücken und den Schlauch herausziehen. Das Reststück herausnehmen, Schlauch wieder fest einstecken und am Drucker „Retry“ wählen.
- Bruch im Schlauch zwischen AMS und Drucker: Schlauch an beiden Enden lösen und das Reststück mit einem langen, intakten Stück Filament herausschieben. Beim AMS lite beschreibt Bambu Lab genau diesen Weg.
- Bruch im Inneren des AMS oder im Hub: Dafür muss das Gerät teilweise zerlegt werden. Das Wiki hat dafür je Modell eigene Anleitungen. Vorher den Drucker ausschalten und vom Strom trennen.
Für andere Systeme wie CFS oder ACE gilt die Anleitung des jeweiligen Herstellers.
Filament im Extruder gebrochen
Steckt das abgebrochene Stück im Extruder oder im Hotend, gibt es zwei Wege. Prusa beschreibt beide in seiner Wissensdatenbank:
- Düse aufheizen. Prusa nennt in der Anleitung für die MK3-Reihe 280 °C und 3 bis 5 Minuten Wartezeit. Bei anderen Druckern die Herstelleranleitung beachten.
- Extruder öffnen, also den Hebel oder die Andruckschraube lösen, damit die Zahnräder das Filament freigeben.
- Herausziehen: Ragen noch 0,5 bis 1 cm heraus, das Stück mit einer Spitzzange greifen und langsam, Stück für Stück nach oben ziehen.
- Durchschieben: Ist es direkt an der Schlauchkante abgebrochen, mit einem dünnen Werkzeug oder einem Stück Filament von 1 bis 1,5 mm Durchmesser nach unten durch die heiße Düse drücken.
Bei Bambu-Lab-Druckern hilft es laut Wiki oft, den PTFE-Schlauch am Druckkopf zu lösen und das Filament von hinten durchzuschieben oder herauszuziehen. Danach lohnt sich ein Blick in den Extruder: Abriebreste an Zahnrädern und Filamentsensor sollten entfernt werden, sonst gibt es beim nächsten Laden Probleme. Klemmt etwas in der Düse selbst, hilft Düse verstopft weiter.
Vorsicht: Hotend und Düse sind beim Arbeiten heiß. Nicht mit bloßen Händen in die Nähe des Heizblocks greifen.
Lässt sich sprödes Filament retten?
Wenn Feuchtigkeit die Ursache ist, meist ja: Nach dem Trocknen biegt sich das Filament wieder deutlich besser und bricht seltener. Bricht es nach dem Trocknen immer noch, drucke es mit möglichst kurzem, geradem Weg direkt von der Spule. Bambu Lab empfiehlt für zu spröde Materialien ausdrücklich den externen Spulenhalter statt des AMS lite. Bleibt es trotzdem brüchig, ist die Spule für den Druck kaum noch zu gebrauchen.
Vorbeugen
- Angebrochene Spulen nach dem Druck luftdicht mit Trockenmittel lagern, Ziel unter 20 % Luftfeuchte.
- Vor dem Druck im Zweifel trocknen.
- Schläuche ohne enge Bögen verlegen.
- Spröde Spezialfilamente nur so führen, wie der Hersteller des Mehrfarbsystems es freigibt.
- Spulen nicht in der Sonne oder neben der Heizung lagern.
Weiter mit: Filament trocknen und lagern, Filament richtig lagern und Filament umspulen, Refill-Spulen und Filament verbinden.
Quellen (7)
- Bruchstellen, Ablauf bei „filament broken in the path“, AMS lite: Bambu Lab Wiki: Filament break in the path
- Zu spröde Materialien für AMS und AMS lite, externer Spulenhalter: Bambu Lab Wiki: Filament guide und Materialtabelle und AMS lite FAQ
- Luftfeuchte, Lagerdauer, PC nach Trocknungszyklen: Bambu Lab Wiki: Filament Drying Recommendations
- Lagerhinweise: Bambu Lab Wiki: TPU Printing Guide
- Harte Filamente brechen im CFS-Schlauch: Creality Wiki: CFS Filament Compatibility
- Gebrochenes Filament aus dem Extruder entfernen: Prusa Knowledge Base: Removing filament from extruder manually
- Biegetest als Zeichen für sprödes Filament: Mosaic Manufacturing: Splice Tuning for Palette 3